Donnerstag, 26. Februar 2009

Die Wahrheit im Klappentext

Ich lese ja gern Kurzbiographien von Autoren, die ganz offensichtlich vom Verlagsmarketing geschrieben wurden. Da steht dann gerne: »Autor XY ist ein wahrer Tausendsassa. Nach seinem Studium an der Middleton Highschool arbeitete er in unterschiedlichsten Berufen und sammelte auf seinen zahllosen Reisen rund um den Globus reichhaltige Erfahrungen. Dann jedoch entdeckte er seine wahre Leidenschaft: das Schreiben. Seitdem sind seine politisch hochaktuellen und brisanten Bücher nicht mehr aus den Bestsellerlisten wegzudenken. Autor XY lebt mit Frau und Kindern in New York und Ohio.«
Übersetzt heißt das Ganze dann: »Autor XY ist ein ziemlicher Taugenichts. Nachdem er mit Ach und Krach die Klasse 10 auf der Middleton Highschool hinter sich gebracht hat, und weil ihn wegen seiner schlechten Noten keine Universität aufnehmen mochte, hat er sich in etlichen Jobs versucht und jeweils die 14-tägige Probezeit nicht überstanden. Danach ist er eine Weile kreuz und quer durch die Weltgeschichte gegammelt, bis seine armen Eltern ihm das Taschengeld endgültig gestrichen haben. Im Suff hat er ein paar sterbenslangweilige Politthriller geschrieben, die sich vor allem durch aufgesetzten Hurrapatriotismus auszeichneten, der selbst George Bush peinlich gewesen wäre. Aber weil es anscheinend eine ganze Menge ähnlich simpel gestrickter Kreaturen gibt die diesen Mist lesen (und vor allem sogar dafür bezahlen), führt er die Verkaufscharts der Wallmarts in Kansas, Wisconsin und South Carolina an. Nach wie vor lebt er mit seiner früh geschwängerten Jugendliebe und seiner Brut in einem Trailerpark in Ohio. Wenn der Verlag Flug- und Hotelkosten übernimmt, amüsiert er sich ab und zu auch gern mit ein paar Callgirls und reichlich Schampus in New York.«

22 Comments:

At 26 Februar, 2009 17:09, Blogger Trabbi meint...

woot!
Der ist gut! Erinnert mich an die Empfehlungsschreiben von Arbeitgebern:
"Er pflegte einen sehr persönlichen Kontakt mit seinen Kunden." --> "Er ist mit jeder ins Bett gestiegen, die nicht bei drei auf dem Baum war."

 
At 26 Februar, 2009 17:13, Anonymous Mash meint...

LOL! Naja, vielleicht hat er ja auch auf der High School unsere Freundin Kimmie getroffen ... ;)

 
At 26 Februar, 2009 21:42, Anonymous Anonym meint...

Ist das eine "echte" Biographie?
Falls ja würde ich doch spontan mal auf Tom Clancy tippen ;)

 
At 27 Februar, 2009 00:31, Anonymous JBird meint...

Hehe, gut übersetzt. :)

 
At 27 Februar, 2009 06:43, Anonymous Anonym meint...

Und was wird im Klappentext deines ersten Romans stehen?

 
At 27 Februar, 2009 10:03, Anonymous Anonym meint...

dürfte sich wahrscheinlich so ähnlich lesen wie der zweite Teil dieses vom Neid getriebenen geschreibsels

 
At 27 Februar, 2009 10:10, Anonymous Mash meint...

@letzten anonym:
Falscher Eintrag. Du hättest hier antworten müssen:
http://mick-schnelle.blogspot.com/2009/02/frage-fans.html
Aber das hast Du Dich nicht getraut, hm?

 
At 27 Februar, 2009 11:05, Blogger Mick meint...

@Anonym: Ah, endlich ein Mick-Hasser. Dann kannst du mir sicher meine Lieblingsfrage beantworten: Warum verplemperst du deine wertvolle Lebenszeit mit dem Lesen "von Neid triebenen Geschreibsels" und antwortest auch noch gleich zweimal darauf? Interessiert mich jetzt echt mal.

 
At 27 Februar, 2009 11:09, Blogger Mick meint...

... oder fühlst du dich auf die Füße getreten, weil du zu den Hurrapatrioten gehörst, die diesen mist tatsächlich lesen?

 
At 27 Februar, 2009 11:23, Anonymous Anonym meint...

He, der erste anonym war ich, und ich bin kein Mick-Hasser! Wollte nur mal fragen, was du das gerne stehen hättest!

 
At 27 Februar, 2009 11:41, Blogger Mick meint...

ah so. Ich dachte es wäre derselbe Herr Anonym. Das ist immer das Problem mit namenslosen Postings. Leg dir doch der Übersichtlichkeit halber ein flottes Pseudonym (gern auch den Echtnamen) zu.
Zur Frage: Wahrscheinlich steht da: Mick Schnelle revolutionierte so ziemlich jedes literarische Genre. Im Laufe der Zeit wurden ganze Planeten nach ihm benannt. Heute lebt er in seiner eigenen Galaxie, die irgendwo hinter dem Sternenkopfnebel beginnt. ;-)

 
At 27 Februar, 2009 17:50, Anonymous Unlogicial meint...

na, auf den Text kann man ja wenigstens mal aufbauen...
Die Biographie könnte aber noch verlängert werden, um so wichtige Absätze wie "Besitzt unzählige Fanclubs, die ihm stehts und überall in Horden folgen" ;-)

nun, zu dem ganzen Hurrapatriotismus und so... Ich finde in geringer Dosis lässt sich das schon vertragen, kommt jetzt nur noch darauf an, auf welche Bücher du anspielst, aber ja ich lese auch mal gerne einen der Älteren Tom Clancy's ^^

 
At 27 Februar, 2009 17:59, Blogger Mick meint...

Clancys Bücher lese ich auch gern, zumindest die älteren. Ich meine eher diese Dinger von Vince Flynn und anderen Autoren dieses Kalibers. Die kann man nicht mal als Realsatire durchgehen lassen.

 
At 28 Februar, 2009 00:56, Anonymous Dietmar meint...

Peinlich finde ich, wenn in der Inhaltsangabe auf der Rückseite inhaltliche Fehler sind. Dann hat der Klappentextautor das Buch nicht mal selber gelesen oder es nicht verstanden. So etwas wirft kein gutes Licht auf den Verlag.

 
At 28 Februar, 2009 08:27, Anonymous Unlogicial meint...

Also Vince Flynn kenn ich nicht, aber deiner Kritik nach (trotz der 5 Sterne Rezessionen auf Amazon ^^) vermute ich mal, dass ich dort nichts verpasst habe...

 
At 28 Februar, 2009 13:18, Blogger Mick meint...

@Dietmar: allerdings. Noch schlimmer ist es, wenn praktisch die Auflösung in einem Nebensatz verraten wird.
@unlogical: nee, haste tatsächlich nicht. Obwohl das Zeug stellenweise durchaus unfreiwillig komisch ist.

 
At 28 Februar, 2009 13:37, Anonymous Anonym meint...

"Seine früh geschwängerte Jugendliebe ..."

Was soll denn so was, da braucht man nun wirklich kein Mick Hasser zu sein, um so ne Ausdrucksweise allgemein nicht toll zu finden.

Und jetzt mal ernsthaft: Literaten bzw. Schreiberlinge haben ziemlich oft Brüche in ihren Biographien, Geliebte sowie Geld- und Alkoholprobleme. Deine Beschreibung hätte zB auch ziemlich gut auf Hans Fallada gepasst und der schrieb nun wirklich genial, auch wenn er im Leben oft versagte. Die von Feist klang meiner Erinnerung nach auch so ähnlich, der war schließlich Autoverkäufer, bevor er Fantasy geschrieben hat.

Vielleicht lösen gerade solche Brüche Kreativität aus?

 
At 28 Februar, 2009 13:56, Blogger Mick meint...

gibs zu: Du willst doch nur den Claudia-Roth-Betroffenheitspreis absahnen. Humor ist eben nur was für Leute ... mit Humor.

 
At 28 Februar, 2009 23:27, Anonymous Alandur meint...

Och Mick, jetzt wär ich auch gern wieder ein Tausendsassa. :D

 
At 01 März, 2009 10:29, Anonymous Anonym meint...

>Humor ist eben nur was für Leute ... mit Humor.

Ja, ja. Übrigens, du hast doch auch "Brüche" in der Biographie. Vielleicht bist du von dem Klappentext-Autor weniger weit weg, als du denkst.

Mal sehen, was dein Verleger aus dir macht, wenn du mal so was schreibst und ob du dich dann wehrst. In deiner GS Beschreibung stand jedenfalls auch nicht: Der ist nur hier, weil er nichts Ordentliches gelernt sowie sein Chemiestudium abgebrochen hat und jetzt irgendwie Geld verdienen muss.

 
At 01 März, 2009 12:57, Blogger Mick meint...

weil es ja auch nicht stimmt. Einen Beruf wie meinen macht man, weil man ihn liebt und garantiert nicht, weil man muss. Dafür schmeißt man gerne jedes Studium.

 
At 01 März, 2009 12:58, Blogger Mick meint...

... es sei denn man ist weitgehend humorlos und betrachtet das Arbeitsleben als Pflichterfüllung.

 

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