Dienstag, 9. September 2008

Lehrling mit zehnjähriger Berufserfahrung gesucht

Ich finde es immer wieder dreist, wie gerade im Medienbereich der Begriff »Praktikant« offensichtlich definiert wird. Wer mal in die Stellenausschreiben z. B. bei DWDL.de oder ähnlichen Seiten reinguckt, findet häufig Ausschreibungen, in denen Praktikanten mit »einschlägiger Branchenerfahrung« gesucht werden. Ja, geht's noch? Sollte das Praktikum denn nicht eigentlich zum »Reinschnuppern« in den jeweiligen Beruf dienen? Erfahrungen sind da doch per Definition schon ausgeschlossen. Oder suchen die Herrschaften nicht viel mehr kostenlose Hiwis, die für kein Geld ackern. Besonders bemerkenswert ist auch, wenn von vornherein keine feste Praktikumszeit vereinbart wird, stattdessen gleich auf eine mögliche Verlängerung hingewiesen wird. He, liebe EU, hier ist was, das ihr wirklich mal regulieren könntet.

12 Comments:

At 09 September, 2008 18:19, Anonymous Anonym meint...

Praktikant ist schon seit fast 20 Jahren ein anderes, netteres, Wort für Prekariat.

Gerade, aber leider nicht nur, die Medienbranche ist da hochspezialisiert in der Abzocke junger Menschen.

 
At 09 September, 2008 20:12, Anonymous Sempai meint...

Hm, warum denke ich gerade nur an die Praktikantensuche einer gewissen Zeitschrift von mir? ;)

>>Oder suchern die Herrschaften >>nicht viel mehr kostenlose Hiwis, >>die für kein Geld ackern

Genau DAS wird doch gesucht. Am besten einen jungen, hochmotivierten und richtig guten Praktikanten, der für reine Dankbarkeit arbeitet. Das Ganze ist meiner Meinung nach genauso eine Schweinerei wie die ganzen 1 €-Jobs (moderne Leibeigenschaft trifft es wohl eher). Gleiche Arbeit wie ein Festangestellter, nur für am besten umsonst.

 
At 09 September, 2008 20:39, Blogger bd_1979 meint...

Tja bei mir in der Branche gibt es eine eindeutige Unterscheidung zwischen Praktikant und Werkstudent - für beides muss man studieren und Werkstudenten verdienen gut sind aber von der maximalen Arbeitszeit pro Jahr beschränkt.
Praktikant bedeutet für mich immer dass die besagte Person insbesondere etwas über den Beruf lernen soll und die Ausbildung liegt im Vordergrund - im Gegensatz zum Werkstudent !
In der Film/Video Branche ist es wie ich gehört habe leider wohl auch so.

 
At 09 September, 2008 22:54, Anonymous myrmadin meint...

Praktikant mit Berufserfahrung? Das ist ja die arbeitgebertechnische Perversion in Perfektion! Hin und wieder habe ich mal Praktikanten oder Berufsschüler, die man ins normale Tagesgeschäft mit einbinden muss. Natürlich ist ab und zu der Reiz da, die „stupiden Drecksarbeiten“ durch den Praktikanten erledigen zu lassen. Aber spätestens wenn der seinen Bericht dann in der Schule abliefern würde, hätte ich ein gewaltiges Problem und sein Betreuer würde bei mir auf der Matte stehen und mir ein Horn verpassen.

Man hält ja normalerweise auch noch einen Kontakt zu seinen ehemaligen Praktikanten aufrecht. Wenn ich nun eine Drecksarbeit wie die Installation von 100 Rechnern habe, dann schau ich nach, wer von denen noch keinen Job hat und dann wird der halt befristet eingestellt. Der freut sich, dass er sich was dazuverdienen kann und ich kann nachts ohne schlechtes Gewissen ins Bett gehen. Alles andere ist reine Ausbeute und gehört sich verboten (wenn’s so einfach gehen würde!).

 
At 10 September, 2008 03:27, Anonymous Huangdi meint...

Interessanterweise gilt es in anderen Laendern z.B. als voellig absurd nach einem Studienabschluss oder einer abgeschlossenen Ausbildung noch ein Praktikum zu machen.

Nur in Deutschland scheinen Studenten mit Diplom sich fuer Praktika herzugeben. Wuerden sich alle konsequent dagegen aussprechen und Praktikumsstellen nur Leuten ueberlassen, die wirklich noch in Ausbildung sind, waere das Problem bei weitem nicht so gross wie es jetzt ist.

Solange aber noch die Vorstellung vorherrscht, dass mit der steigenden Anzahl von Praktika - auch nach Abschluss der Ausbildung - die Berufschancen steigen, egal ob und welche Erfahrungen man sammelt, wird die Arbeitskraft dieser Gruppe weiterhin beherzt und ohne Gewissensbisse ausgenutzt.

 
At 10 September, 2008 11:42, Anonymous Anonym meint...

http://www.gamestar.de/news/vermischtes/1948946/praktikant_in_gesucht.html


Das hier? ;-)

 
At 10 September, 2008 12:00, Blogger Jehuty meint...

Oh, bei DWDL gucke ich auch täglich rein. Ich weiß nur nie wirklich, ob ich weinen, lachen oder einfach nur den Kopf schütteln soll.

 
At 10 September, 2008 12:48, Anonymous El_Cool meint...

@sempai: Kannst du mir mal präzise erklären, warum 1€-Jobs eine Schweinerei sind? Ich kenn zwar nur 3 Leute, die einen haben/gehabt haben, aber die waren alle begeistert...

 
At 10 September, 2008 13:16, Blogger Mick meint...

@Anonym: Nee, dieses Mal hatte ich GS nicht im Visier, die bieten ja zumindest noch ein richtiges Praktikum an, bei dem man tatsächlich einiges lernt. Und Berufserfahrung braucht man da ja auch nicht. Ich meine eher diese Fernsehsender, die PERMANENT "Praktikanten" suchen, und dafür richtige Stellen einsparen.
@el_cool: 1 Euro Jobs sidn dann verwerflich, wenn der Arbeitgeber die benutzt, um richtige Stellen einzusparen und sich so auf Staatskosten (denn der finanziert sie ja) zu sanieren. Einige Erbeer- und Spargelbauern sind wahre Experten auf dem Gebiet, weil ihnen mittlerweile selbst die polnischen Tagelöhner zu teuer sind...

 
At 10 September, 2008 21:46, Blogger Piano meint...

Ach ja, und Geld gibt es selbstverständlich nicht. Ist ja schließlich nur ein Praktikum...

 
At 11 September, 2008 10:46, Blogger Mick meint...

@pia: Geld? Bist du wahnsinnig? Schließlich ist das Praktikum doch eine hochwertige Ausbildung. Eigentlich müsste man dafür noch bezahlen...

 
At 11 September, 2008 11:17, Anonymous basileus meint...

Bring sie nicht auf Ideen...

 

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