Freitag, 18. Juli 2008

4800 Seiten bis zur Ewigkeit

Irgendwann im Leben eines Mannes kommt der Tag, an dem er eine Herkulesaufgabe vollbringen will und muss. Etwas derart Monumentales und Gigantisches, dass es eines griechischen Helden würdig ist. Etwas, das man nicht mal so eben zwischen Spiegel-Filmkritik und Sandmännchen erledigen kann. Der eine pflanzt einen Baum, der andere räumt endlich den Dachboden auf oder läuft auf Socken durch Indien. Meine Mammutaufgabe liegt seit drei Jahren bei mir auf dem Tisch. Da räume ich sie auch nicht eher weg, bis ich sie erledigt habe. Es handelt sich um »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«. Drei dicke Bände! Das Lebenswerk von Marcel Proust umfasst stolze 4800 Seiten und ist extrem schwere Kost. Zweimal habe ich schon angefangen, zweimal habe ich es auch wieder abgebrochen. Aber ich gebe nicht auf. Denn dieses Mal habe ich einen Sparringspartner. Victor Hugos 1700-Seiten-Epos Les Miserables benutze ich zum warm werden. Dann bin ich hoffentlich ausreichend frankiert... äh frankonalisiert (oder wie man das nennt) und ackere das Proust-Ding endlich durch. Ich hoffe bloß, die Quintessenz ist nicht, dass man dabei nur jede Menge Zeit verloren hat.

20 Comments:

At 18 Juli, 2008 01:10, Blogger Phillip Möhler meint...

na dann gutes gelingen!
ich kämpfe mich gerade durch das "Silmarillion", das ist auch nicht von schlechten Eltern^^

 
At 18 Juli, 2008 02:04, Anonymous theNerd meint...

Bei Eurer Lektüre fühle ich mich mit meinen Hyperion Gesängen richtig luschihaft!

 
At 18 Juli, 2008 07:51, Anonymous myrmadin meint...

Waren das früher noch Zeiten, als man sich durch dicke Handbücher von irgendwelchen Flugsims durch gekämpft hat...
Aber zum Thema: Versuchs doch mal mit Speedreading.. Dann biste schneller durch ;)

 
At 18 Juli, 2008 10:05, Anonymous Anonym meint...

Stichwort Handbuch/Flugsim: Schätzungsweise im Frühjahr 1992 muss wohl das Paket mit Falcon 3.0 bei mir eingetroffen sein (nach gefühlten 4 Monaten Lieferzeit). Genau richtig an einem Freitag war es, als der Postmann dreimal klingelte (auch wenn das damals für mich kaum einen Unterschied machte mit gerade mal 14 Lenzen). Doch dann der Schock. Wir fahren zur Oma. Eigentlich bin ich immer gerne mitgefahren, aber wo zum Geier soll ich auf dem Bauernhof meiner Grosseltern meine Falcon-Disketten reinstecken. In den A... der Kühe? Diese Sorgen teilten meine Eltern allerdings nicht!
Es half nichts, es wurde gefahren. "Schließlich war es schon ausgemacht, dass an diesem WE Honigschleudern auf dem Programm steht." Aber das Spiel kam natürlich mit, auch wenn es kaum eine Aussicht gab, dass sich ein Gerät finden würde, mit dem ich es hätte spielen können.
Ich öffnete auf der Fahrt im Auto die Schachtel, die ungefähr 5 Pfund wog und es erblickte das mir bis dahin und seitdem dickste bekannte Handbuch eines PC-Spiels das Licht der Welt...
der Rest ist verschwommen.

 
At 18 Juli, 2008 12:07, Blogger Chris meint...

Wem willst Du etwas beweisen, und was? Ich nehme an, Dir selbst. Aber wenn das Buch Spaß macht, "kämpft" man sich nicht durch, und wenn es keinen Spaß macht, dann liest man es nicht. Muß man ja nicht mehr. Man ist ja nicht mehr in der Schule oder an der Uni. Freies Land. Vorteile des Erwachsenseins. Finde ich. Schönes Wochenende!

 
At 18 Juli, 2008 12:18, Anonymous Anonym meint...

ich hatte mal "Cryptonomicon" von Neil Stephenson versucht. Sehr interessantes Thema, aber vieeeel zu viel Mathe. Das hat mir den Spaß verdorben. Eines der ganz wenigen Bücher, das ich nicht durchgelesen habe.

 
At 18 Juli, 2008 13:21, Anonymous Sempai meint...

Fast 5000 Seiten O.O Mein bisheriger Rekord in einem Buch lag bei Shogun bei rund 1000 Seiten. Ich habe zwar eine Geschichtsbuchreihe mit zusammen rund 3000 Seiten,da aber nur rund 160 Seiten pro Buch.

Wenn ein Buch gut ist,lese ich aber auch gerne 10.000 Seiten (Die Elfen hätte ruhig soviele Seiten haben können).

 
At 18 Juli, 2008 13:43, Blogger Mick meint...

@Chris: Doch, manche Sachen muss man sich erkämpfen, die fallen einem leider nicht zu. Prousts Werk gehört nun mal zur Weltliteratur, deren wichtigste Werke man im Laufe seines Lebens gelesen haben sollte. Merke: Die Schule ist nie vorbei! und "Lesen dient nicht allein dem Vergnügen!

 
At 18 Juli, 2008 14:09, Anonymous Mash meint...

@anonym:
Ich hab's bis zum Ende durchgehalten, und man wird belohnt. Ich hab' nicht alles von mathematischen Wirbeleien verstanden, aber das war auch gar nicht nötig.
"Diamond Age" vom gleichen Autor habe ich auch gelesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich alles verstanden habe. ;)

 
At 18 Juli, 2008 17:07, Anonymous Ohne Worte meint...

nur 4800 seiten?

 
At 18 Juli, 2008 17:11, Anonymous Anonym meint...

Das klingt nach richtiger Arbeit. Aber was tut man nicht alles, um am Ende das Gefühl zu haben, ein winziges bisschen weiser geworden zu sein.

Ich stehe ja auf dem Standpunkt, dass ein Buch, Klassiker oder nicht, schon irgendeine wie auch immer geartete Faszination auf den Leser ausüben sollte. Wenn man sich ausnahmslos nur angeödet fühlt, ist es halt das falsche Buch, der falsche Autor oder vielleicht auch einfach nur die falsche Zeit.

Trotzdem viel Spaß beim durchackern. Hoffentlich lohnt es sich.

Warum eigentlich gleich das ganze Lebenswerk?

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At 18 Juli, 2008 17:29, Blogger Mick meint...

Die Sucher nach der verlorenen Zeit ist ja nicht Prousts gesamte Arbeit, sondern nur ein großer Teil davon und der gehört nun mal zusammen.
Literatur ist nun mal keine Frage von Faszination und Unterhaltungswert. Ich lese auch Bücher, die ich grauenhaft finde, denn wie sonst soll man den Unterschied zwischen guter und schlechter Literatur erkennen, außer durch Lesen, Lesen, Lesen?

 
At 18 Juli, 2008 18:34, Anonymous Anonym meint...

>> Ich lese auch Bücher, die ich grauenhaft finde

Verständlich, wenn man in der schreibenden Zunft tätig ist. Für mich ist Lesen allerdings nur Freizeitspaß. Da spricht nichts gegen Anspruchsvolleres, aber unnötig quälen muss man sich ja nun auch wieder nicht.

Vor die Wahl gestellt, sagen wir, beispielsweise ein Harry Potter Buch oder Prousts komplettes Werk zu lesen, würde ich mich allerdings vermutlich für letzteres entscheiden. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

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At 18 Juli, 2008 19:53, Anonymous Anonym meint...

Es gibt nichts "was man unbedingt" gelesen haben muss. Die so genannte "weltliteratur" wird auch nur von der ach so hochstehenden Hochkultur definiert. Von Snobs und Kulturwächern, die meinen besser zu wissen, was gut ist, und was nicht. Mit Bildung hat das erst recht nichts zu tun, da machst du dir was vor.

 
At 18 Juli, 2008 22:21, Blogger Mick meint...

nee, es gibt einen Bücherkanon an dem man nicht vorbeikommt. Wie willst du Literatur einordnen und bewerten, wenn du die Grundlagen nicht kennst? Etwa die alten Griechen, deren Grundsätze eines Dramas bis heute Gültigkeit habe und wohl auch noch in tausend Jahren. Und sich etwas Wissen zu erarbeiten ist ungemein befriedigend, gerade wenn es einem nicht einfach so zufällt. Gerade zeitgenössischen deutschen Autoren würde von diesem Wissen einiges gut tun. Denn entweder suhlen sie sich in Stil und Worten und vernachlässigen aber die eigentliche Geschichte oder sie haben eine schöne Geschichte, sind nur nicht in der Lage, die auch stilistisch anspruchsvoll umzusetzen.

 
At 18 Juli, 2008 23:23, Anonymous Anonym meint...

Nach drei vergeblichen Anläufen, mir dieses Stück Weltliteratur einzuverleiben, habe ich entschlossen, dass man nicht alles kennen muss, zumal mir bisher die wenigsten (naja, eigentlich kein einziger :-D), die das gesamte Werk überlebt haben, darlegen konnten, was sie aus dem Werk mitgenommen haben und inwiefern es sich für sie gelohnt hat. Da zwingt sich einem doch das Gefühl auf, dass sich die meisten einfach dem Urteil der Kritiker beugen (diese werden ja schon wissen, was gut ist) und das Buch nur lesen, um nachher eben auf diesen Sachverhalt verweisen zu können und nicht, weil tatsächliches Interesse am Werk besteht. Daher hab ich letztendlich für mich beschlossen, dass es (zumindest derzeit) für mich reine Zeitverschwendung ist bzw. einfach zu viele andere Bücher gibt, die mir wichtiger sind, und mich wieder den guten alten Philosophen zugewandt. Da hab ich das Gefühl, wesentlich mehr fürs Leben zu lernen und bei Kant und Konsorten versteh ich wenigstens noch im Ansatz, was mir die Autoren nahe bringen wollen :-P

Aber vielleicht bist du dann ja der Erste, der es schafft, mir einen sinnvollen Grund zu geben, mich doch nochmal an dieses Werk zu wagen. Über deinen, hoffentlich erfolgreichen, Kampf mit der gähnenden Langeweile wird man dann ja mit Sicherheit hier lesen können.

 
At 19 Juli, 2008 00:56, Blogger Mick meint...

aber nur, wenn ich es wirklich schaffe. Mal sehen, mein dritter Anlauf steht ja erst kurz bevor, wenn ich mit Monsieur Hugos Elenden durch bin. Außerdem lese ich den Proust sicher nicht in einem Stück, und werde immer wieder mal was anderes dazwischen einfügen. Ich fürchte nur, dass man den Proust, wie viele andere Bücher auch, wahrscheinlich mehrmals lesen muss, am besten in verschiedenen Lebensabschnitten, um ihm gerecht werden zu können. Mal sehen, ob ich wirklich so alt werde ;-)

 
At 23 Juli, 2008 00:42, Anonymous Anonym meint...

Hugos "Les Misérables" ist ein zeitloses Werk für mich geworden. Eine Art episches Gemälde seiner Zeit. Ich würde Dir, falls Du einen Abstecher in diesen Zeitraum unternehmen kannst, dazu auch "Rot und Schwarz" von Stendhal empfehlen.

Proust zählt für mich zu den drei großen Erneuerern des Romans der Neuzeit. Neben Kafka und Joyce. Und wir verdanken es einzig dem Umstand, dass Monsieur Proust äußerst reich erbte und diese Buchreihe im Selbstverlag quasi herausgeben konnte. Seine Beobachtungskunst ist unerreicht.

 
At 23 Juli, 2008 01:45, Blogger Mick meint...

danke für den Hinweis, werde ich mir auf jeden Fall besorgen... wenn ich Monsieur Prousts Werk zu Lebzeiten (also meinen eigenen) tatsächlich durchkriege ;-)

 
At 24 Juli, 2008 21:38, Anonymous Der auf den Punkt kommt meint...

5000 Seiten? Nie im Leben! Ich lese nicht mal die Kommentare von Leuten die zu viel labern.

 

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