Montag, 14. April 2008

Gewaltig daneben

»Künftig sollen „Spielkonsolen in Geschäften während der Schulzeit“ abgeschaltet werden. Das ist eine der Empfehlungen im Abschlussbericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Jugendgewalt an die Innenministerkonferenz .«, so stehts in der Welt zu lesen. Klasse Idee,denn Schulschwänzen gabs ja früher nicht, als die Herren Innenminister selber noch die Schulbank drückten. Das muss ja an diesem neumodischen Teufelszeug, sprich den Konsolen liegen. Kleine Nachhilfestunde an die hohen Herren von mir: Ich habe auch früher ab und an blau gemacht, wie so ziemlich jeder andere auch. Konsolen gabs da noch gar nicht. Damals wurde das gern auf die ach so verwerflichen Comics geschoben. Vermutlich gabs Schulschwänzen schon im alten Rom. Und notorische Dauerschwänzer kriegt man sicherlich nicht mit Konsolenverboten im Media Markt. Wie wärs in diesen Fällen (bitte nicht beim harmlosen Gelegenheitsschwänzer) mal mit ein wenig mehr Aufmerksamkeit von Lehrern und Eltern? Aber das zu verlangen ist natürlich erheblich unpopulärer und aufwändiger, als auf den allseits beliebten Sündenbock Videospiele einzudreschen.

12 Comments:

At 14 April, 2008 01:41, Blogger Avantenor meint...

Gibt doch sowieso bald nur noch Rentner. Die Wählerstimmen der Elterngenerationen sind dann vollkommen unerheblich. ;)

 
At 14 April, 2008 08:36, Blogger Eresthor meint...

Bravo, gut analysiert.
Dazu fällt mir immer folgendes Zitat ein:
"Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte. Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer." -Sokrates

 
At 14 April, 2008 09:30, Anonymous KR33p1ND3atH meint...

Tja, letzten Endes ist der Unterschied von der eigenen Jugend zur heutigen nicht so groß, wie es die Elterngeneration gerne hätte. Es sind immer wieder dieselben Phänomene. Schüler werden immer blau machen und Jugendliche werden sich auch immer gegen ihre Eltern auflehnen. Und Eltern werden wahrscheinlich auch in 500 Jahren noch dieselben ignoranten, verklärten Sprüche wie "So respektlos waren wir nie!" bringen. Das war immer so und wird auch so bleiben.
Das einzige, was zu hoffen bleibt, ist das wenigstens die Politik von solchen abgedroschenen Weltbildern abweicht und stattdessen mal zugibt, dass unsere Gesellschaft insgesamt ein Problem hat, was bewältigt werden muss.

 
At 14 April, 2008 10:31, Anonymous Anonym meint...

Sokrates ist 399 v. chr. gestorben. Ist es nicht so dass damals Griechenland auf dem absteigenden Ast war? Gruss mani.

 
At 14 April, 2008 12:12, Anonymous christoph meint...

in berlin wird das mit dem konsolenabschalten doch schon ewig praktiziert, mit irgendwelchen schildern von wegen "vormittag ist schulzeit" versehen. also sind schon viele kiddies vormittags in den läden unterwegs gewesen. die suchen sich jetzt halt was neues.
sokrates musste sich doch umbringen, gerade weil er angeblich die jugend verführt haben soll.

 
At 14 April, 2008 16:30, Anonymous Sempai meint...

Stichwort "Rentnerdemokratie". Was interessieren sich die Politiker für die Jüngeren? Nur die Rentner und Fast-Rentner zählen da und die haben meistens vile Argwohn gegenüber neuer Technik. Nicht ohne Grund ist Deutschland eines der technikfeindlichsten Länder.

PS: Gestern war bei uns Landratswahl. Wähler unter 40 Jahren waren nur zu knapp 10% vorhanden. Wen wunderts bei einer Politik ausschließlich für Rentner?

 
At 14 April, 2008 17:06, Anonymous ingo meint...

„Schulschwänzertum kann der Beginn einer kriminellen Karriere sein. Deshalb muss man hier konsequent einschreiten.“ steht da auch noch!

 
At 14 April, 2008 17:07, Blogger Mick meint...

@sempai: Und mit 41 ist man ein technikfeindlicher Rentner? Technikaffinität ist übrigens keine Frage des Alters, eher der politischen Orientierung. Linke verteufeln Technik am allerliebsten, ein blick ins Parteiprogramm von Grünen und leider auch SPD verdeutlicht das. Und wenn ein Parteivorsitzender namens Beck allen Ernstes behauptet, daß ein Kernkraftwerk mehr CO2 ausstößt als ein Braunkohlekraftwerk, braucht man sich über manches wirklich nicht zu wundern.

 
At 14 April, 2008 17:08, Blogger Mick meint...

@ingo: DAS wage ich zu bezweifeln. Welcher Schüler hat nicht schon mal geschwänzt? Trotzdem scheint es heute nicht mehr Kriminelle zu geben als früher. Das ist son typischen Totschlagargument, das genauso verbreitet, wie unwahr ist.

 
At 14 April, 2008 18:40, Blogger Knurrunkulus meint...

Was du schreibst ist natürlich sehr wahr. Aber ich habe langsam das Gefühl, dass wir da echt gegen Windmühlen kämpfen. Ich habe das im Januar auch schonmal ein wenig genauer angesprochen und kann mich nur immer wieder aufs Neue wiederholen. Würde mich freuen, wenn du dir den Text mal zu Gemüte führst.

Abseits davon: Ich arbeite gerade als "assistant teacher" für einige Zeit an einer englischen Schule und da kann man mal sehen, was in der Erziehung falsch läuft. Es ist schlicht und ergreifend nicht zu fassen, wie hier Schüler miteinander und erst recht mit den Autoritäten umspringen. Oder wie der tolle Kabarettist Georg Schramm einmal gesagt hat: "Erklären SIE ihrem Kind heutzutage einmal, wozu es wichtig ist, dass es eine Haltung hat. Ihr Kind versteht doch gar nicht was sie meinen, das denkt es muss zum Orthopäden."

Das ist so wahr. Und so traurig.
Und die Politiker, die das jetzt alles prima auf Sündenböcke abwalzen aus der Medienwelt, die sind schlicht und einfach feige.

Würden sie nämlich das wahre Problem in Angriff nehmen wollen, wäre ihr Job bei weitem nicht mehr so "bequem". Dann könnte es echt unangenehm werden.

 
At 14 April, 2008 19:43, Blogger wolf meint...

Ich finde, die Bund-Länder-Arbeitsgruppe hätte das ganze noch etwas effektiver formulieren können: "Spielekonsolen dürfen während der Geschäftszeit nicht in Betrieb genommen werden!" Wie soll denn ein geschäftsmann überprüfen, ob der Jugendliche um 14 Uhr dem Unterricht fernbleibt (Ganztagsschule) oder unterrichtfrei hat. Möglicherweise ist dieser Jugendliche nur ein Testspieler, der im Auftrag des Jugendamtes unterwegs ist. Von daher ist doch ausschalten viel besser.
Ich vermute, dass im Innenministerium gerade an einer technischen Lösung gearbeitet wird. Jede Spielekonsole wird zukünftig mit einem Fingerprintmodul ausgestattet. Spielen können nur Menschen, deren Fingerabdruck im Zentralcomputer des Innenministeriums gespeichert sind. In einer aktualisierten Datenbank wird bei Inbetriebnahme geprüft, ob diese Person gerade in der Schule (Schüler oder Lehrer) sein müsste = spielen ist nicht möglich; oder ob eine Krankmeldung (Arbeitnehmer) vorliegt = spielen ist nicht möglich. Mit der Aktivierung der Konsole könnten bei unrechtmäßigen Gebrauch gleich die Ordnungsbehörden die betreffende Person "einkassieren".

 
At 14 April, 2008 20:51, Anonymous Anonym meint...

das absurde ist doch:die gehen davon aus, dass die Dauerschwänzer nur deswegen nicht in den unterricht gehen weil sie in den kaufhäuser an den konsolen zocken können. tja wenns so einfach wäre... ich würde mal sagen genau 0.0% dieser notorischen dauerschwänzer wird dies daran hindern wieder in den unterricht zu gehen

 

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