Samstag, 23. Februar 2008

Da licht' n Stein

Nach dem Ende des Kalten Krieges und Saddams Abgang fehlte uns ja in den letzten Jahren ein klares Feindbild. Son richtig fieser Schurkenstaat. Und jetzt ist endlich wieder einer da: Liechtenstein. Ich finde es ungemein aufregend, wenn da auf weltpolitischer Ebene von Frau Merkel mit »Konsequenzen« gedroht wird, sollten dieser Erbprinz und sein Minister oder wem auch immer dieses Land gehört nicht gefälligst parieren. Haben wir eigentlich auch so schöne War Control Räume mit tollen Monitoren und Weltkarte, wie man sie aus 80iger Jahren Actionsfilmen kennt, in der Miss Merkel dann mit versteinerter Miene die Truppenbewegungen Richtung Liechtenstein kontrolliert? Und wen schicken wir da hin? Die Bundeswehr ist ja schon in Afghanistan überlastet (»Nachtflüge? Nee, davor haben wir Angst. Schießen, also so in echt mit Munition und so? Nein, lieber nicht, da könnten wir ja die Mittagsruhe stören!«) Wahrscheinlich wird deshalb der militante Zweig der freiwilligen Feuerwehr von Lindau in Marsch gesetzt gen Vaduz. Ja, richtig gelesen, Vaduz, so heißt deren Hauptstadt da unten. Wobei ich mich frage, wieviel Umland wohl zu einer Hauptstadt gehört, wenn im ganzen Land gerade mal 33.000 Leute leben, Ausländer inklusive. Da wohnen in Baldham-Süd ja mehr.
Aber immerhin hätten wir dann endlich auch mal nen eigenen War on Terror, einen schönen heimeligen Kriegsschauplatz, von dem besorgt blickende, embedded Journalisten berichten können. (Ich sehe jetzt schon Tine Hitler.. äh Wittler live berichtend, vom Sturm auf den liechstensteinschen Ikea-Markt ,in dem sich die letzten Freischärler hinter der Kötbullar-Theke verschanzen.) Das Schöne daran aber wäre, dass dabei nicht ein einziger Schuss abgefeuert wird und es deshalb auch keine Toten gibt. Denn schließlich ist die Lindauer Feuerwehr zwar mit Äxten, aber nicht mit Gewehren ausgestattet. Ob Liechtenstein überhaupt eine Armee hat, wage ich mal zu bezweifeln. Wahrscheinlich schicken sie den anrückenden Truppen nur ein paar Bankiers und Finanzbeamte entgegen.
Ich weiß, das klingt alles ziemlich abgefahren. Aber hinter all dem vermute ich eine noch viel unglaublichere Wahrheit: Es gibt Liechtenstein überhaupt nicht. Hand aufs Herz: Wer kennt einen Liechtensteiner oder jemanden, der einen kennt, der zumindest mal dort hin gefahren ist? Wahrscheinlich existiert dieses angebliche »Fürstentum« nur als Ordner auf einer Festplatte der Deutschen Bank. DAS wäre mal eine Nachricht, die tatsächlich einer Spiegel-Titelstory würdig wäre.

13 Comments:

At 24 Februar, 2008 00:00, Blogger Michael meint...

Liechtenstein steht aber unter dem Schutz der Schweiz.... Und die Schweizer Armee macht aus unseren Jungs Kleinholz o.O


Und ja, ich kenne jemanden der in Liechtenstein war! Mein Opa hat da früher Goldmünzen geschmuggelt ^^ (kein witz)

 
At 24 Februar, 2008 00:07, Anonymous El_Cool meint...

Bankiers und Finanzbeamte? Die find ich ehrlich gesagt gefährlicher als jeden bis an die Zähne bewaffneten Soldaten...Don't mess with Texas, äh Liechtenstein

 
At 24 Februar, 2008 00:28, Blogger Jehuty meint...

Liechtenstein? Ach ja: Eine Hauptstraße und Feierabend. ;-)

 
At 24 Februar, 2008 01:32, Blogger Simon meint...

Ich kenne nicht nur jemanden, der schon mal dort war, ich war sogar schon mal dort. Und was soll ich sagen... es existiert tatsächlich. ;)

@ jehuty: ... und ein Schwimmbad.

 
At 24 Februar, 2008 09:14, Blogger Orinoko meint...

Die Schweizer Armee, verschiessen sie geweihte Goldkugeln, pfählen sie mit Offiziersmessern?

 
At 24 Februar, 2008 12:20, Anonymous theNerd meint...

@ Simon

Klar und ich war schon mal in Bielefeld!11elf



Das mein ich ernst.

 
At 24 Februar, 2008 12:40, Anonymous Sebastian meint...

"...Sturm auf den liechstensteinschen Ikea-Markt ,in dem sich die letzten Freischärler hinter der Kötbullar-Theke verschanzen." Finde ich sprachlich klasse!

 
At 24 Februar, 2008 15:50, Blogger Meise meint...

Klasse geschrieben, habe mich weggeschüttet vor Lachen! :-)

 
At 24 Februar, 2008 16:05, Blogger Piano meint...

Ich kenne jemanden. Roy Lichtenstein. den kennt doch eigentlich jeder :-P

 
At 24 Februar, 2008 16:26, Blogger Mick meint...

@michael: ja klar, die waren in einem Topf am Ende des Regenbogens vergraben ;-)
@Simon: Das war nur eine Kulisse. :-)
@orinoko: jau, und mit Pfeil und Bogen säbeln sie dir jeden Apfel von der Birne. ;-)
@thenerd: Quatsch, bielefeld gibts ja auch nicht. Ist dir nie die grob texturierte Autobahnabfahrt aufgefallen?
@sebastian: muchas gracias :-)
@meise: und dabei stimmt auch noch jedes wort :-)
@pia: Du meinst Siegfried und Roy, die haben zwar vielleicht auch dort Geld gebunkert, ansonsten sind die aber eher in "warmen" Oasen wie San Franzisko oder Köln zu finden ;-)

 
At 24 Februar, 2008 23:42, Anonymous RoyBean meint...

Ich habe mir mal drei Wochen in den USA ein Zimmer in einem College mit einem Liechtensteiner geteilt. Vor zwei Jahren habe ich etwas überrascht im Fernsehen gesehen, dass er dort inzwischen Justizminister geworden war (kein Witz). Aber das Land ist ja so klein, dass wahrscheinlich jeder Bürger da mal ran darf.

 
At 25 Februar, 2008 16:27, Blogger Mick meint...

frag ihn doch mal, ob er dir nicht auch mit ner diskreten DVD eine kleine Freude machen will ;-)

 
At 26 Februar, 2008 00:23, Anonymous Anonym meint...

Ich. Die schmeissen jedes Jahr zum Geburtstag des Fürsten an die zwei Tonnen Feruerwerk in die Luft. Nett anzuschauen.

 

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