Freitag, 7. Dezember 2007

Publisher kauft Wertung

Es gibt ja derzeit die Debatte um den Einfluss von Spielepublishern auf Magazine, ausgehend von der Entlassung eines Gamespot-Redakteurs in Amiland. Weil ich bei 4Players einen Kommentar im Forum hinterlassen habe, landen auch bei mir etliche Mails, die sich um die Frage drehen: Sind die Spielemagazine bestechlich ?, beziehungsweise: Üben Publisher über Anzeigen Druck aus und »erkaufen« sich so bessere Wertungen? Ich könnte mich zu dem Thema jetzt stundenlang äußern, verkürze das aber einfach mal elementar. Man kann doch sehr leicht die Wertungen der einzelnen Magazine (egal ob Online oder Print) mit den eigenen Erfahrungen vergleichen. Denn jeder, der solche Hefte liest, kauft und spielt doch auch selber Spiele und kann sich deshalb ein eigenes, kompetentes Bild machen. Wer dann die Frage: »Sind die Wertungen nachvollziehbar?« mit einem »Ja« beantworten kann, liest offenbar die richtige Zeitschrift bzw. die richtige Onlineseite. Allzu mißtrauisch sollte man übrigens auch nicht sein. Denn keine Spielewertung ist unantastbar und niemand ist vor Fehlwertungen gefeit. Aber solange ein Heft eine nachvollziehbare Linie (gern auch mit kleinen Ausreißern) fährt, ist alles im grünen Bereich. Lautet die Antwort »Nein« sollte man das Heft einfach nicht mehr kaufen. Denn höchstwahrscheinlich ist die Redaktion einfach inkompetent. Oder dort wird wirklich manipuliert, was ich in meiner 15-jährigen Laufbahn allerdings noch nie erlebt habe. Noch ein Hinweis zum Schluß: Das klappt natürlich nur, wenn man nicht auf die beigelegte Vollversion schielt und sich um den Inhalt des Heftes nicht schert.

28 Comments:

At 07 Dezember, 2007 12:47, Anonymous Sempai meint...

Ich als langjähriger GameStarleser hatte bei dem Heft eigentlich nie den Verdacht,dass dort Wertungen gekauft waren. Eintzig die Wertung von Gohtic 3 fand ich irgendwie merkwürdig,bei DEN Bugs.

Was ich aber nicht mag,sind pseudo-objektive Wertungen *zu GS schiel* .

 
At 07 Dezember, 2007 13:09, Anonymous Anonym meint...

Boris Schneider hat doch dazu mal was in seinen Blog geschrieben finde ich sehr nachvollziehbar:
http://www.dreisechzig.net/wp/archives/1040

 
At 07 Dezember, 2007 13:13, Anonymous hoellenbewohner meint...

wer im glashaus sitz sollte besser nicht mit wattebällchen...

*Die Hefte-Macher müssen die Auflage maximieren, und verstehen ihre Produkte ausdrücklich NICHT als Verbraucher-Informationsdruckwerke, sondern als Unterhaltungs-Zeitschriften (ganz ehrlich! Ich hab's aus den Schnelle-Brüdern verbal 'rausgeprügelt). Um zu unterhalten, braucht man aber keine harten Fakten, sondern muß nur vor der Konkurrenz etwas zum Thema absondern.
Um eine möglichst hohe wahrgenommene Übereinstimmung der Zeitschrift mit "dem" allgemeinen Leserdurchschnittsgeschmack hinzubekommen wird deswegen in aller Regel auch hoch bewertet, was sich vermutlich gut verkaufen wird. Mit anderen Worten, monatelang aufgebaute Hypes, bei denen die Leser auf den Antwortkarten schreiben, daß sie sich besonders für diese zukünftigen Spiele interessieren, werden durch Previews immer weiter in der Berichterstattung aufgebläht, so daß am Ende auch eine gute Bewertung stehen muß, um konsistent mit der eigenen Vorberichterstattung zu bleiben.

Gerade hier jedoch ist eine Unsitte enorm weit verbreitet: Copy & Paste aus Produktinformationen der Hersteller. Ich habe nicht glauben mögen, wie oft ich in den Berichten über Steel Beasts eigene Formulierungen wortwörtlich an anderer Stelle wiedergefunden habe. Was bedeutet, daß man als Marketing-Fachman exzellente Möglichkeiten hat, über die eigenen Texte Einfluß auf die Vorberichterstattung zu nehmen, wenn diese Texte dem Schreibstil der Zeitschriften angeglichen werden, so daß sie wie redaktioneller Inhalt erscheinen.*

quelle:

http://forum.pcplayer.de/viewtopic.php?p=22604&highlight=schnellebr%25FCdern#22604

etwas weiter unten:

*Das offene Eingeständnis der GameStar-Redaktion, daß es keinerlei verbindliche Regeln bei der Bewertung gibt außer dem vermuteten Leserinteresse - mithin also blanke Willkür herrscht, wo Prozente eine Objektivität vorgaukeln - hat ja am Ende nur den Schlußstein gesetzt.*

da ist der weg richtung korruption nicht mehr weit, gelle. du wirst dir doch den ast auf dem du sitzt nicht selber absägen.
käuflichkeit gibt es nicht nur in form von anzeigen (was schon mal eine haupteinnahme ist). sie ist auch in form von previews, entwichkler besuchen (vor ort reportagen) und dem (vor)enthalten selbiger möglich.
aber mach mal weiter bei deinem wintermärchen.

 
At 07 Dezember, 2007 13:30, Blogger n00bert meint...

Ich war auch einmal Gamestar-Leser und neben ein paar wenigen Fehlwertungen und einem gelegentlichen nicht interesse an nicht gehypten aber dennoch sehr guten Spielen war die Zeitschrift immer Top.

Kam bei Gamestar nicht irgendwann einmal ein Bericht, wo irgendein Publisher eine Wertung von min 85% gefordert hat ?
Der hat dann mit ca.73% die Redaktion verlassen woraufhin der Publisher schwer stinkig geworden sein soll.

"Magazine" welche garantiert "bestechlich" sind, sind die ganzen gratis Heftchen bei McDonalds, BurgerKing, jede zweite Drogerie usw.
Da gehört das halt zum Konzept.

 
At 07 Dezember, 2007 15:26, Blogger Mick meint...

@hoellenbewohner: würde mich echt mal interessieren, wie Du auf diese Meinung kommst. Wo hast Du denn Artikel gesehen in denen mit Copy & Paste Herstellerinformationen einfach eingebaut wurden? Und woher stammt dieser Blödsinn: "Die Hefte-Macher müssen die Auflage maximieren, und verstehen ihre Produkte ausdrücklich NICHT als Verbraucher-Informationsdruckwerke, sondern als Unterhaltungs-Zeitschriften (ganz ehrlich! Ich hab's aus den Schnelle-Brüdern verbal 'rausgeprügelt)" Ich kann mich nicht erinnern jemals solche Unfug zum Besten gegeben zu haben. Wer seine Leser enttäuscht, hat bald keine mehr und dann kriegt er auch keine Anzeigen mehr, so rum funktioniert das. Ein vielgelesenes Heft muss sich keine Sorgen um Anzeigen machen. Denn um dieses Heft kommt kein Publisher vorbei. Und was zählt bei den Anzeigenpreisen? Genau: Die verkaufte Auflage und die ist nur dann hoch, wenn man genug Leser hat. Und woher kommen die? Halt die Menschen doch bitte nicht für dümmer, als sie sind. Niemand kauft auf die Dauer ein Hype-Heft. Und wo steht, dass ein Spiel mit viel Vorabaufmerksamkeit auch hoch bewertet wird? Aktuelles Beispiel: Hellgate London. Wo sind denn da die hohen Wertungen? Und nein, nicht die Anzeigen sind die Haupteinnahmequelle, sondern die Heftverkäufe, vor allem Abonnements sind wichtig. Und wie kriegt man die? Allein über zufriedene Leser!!!

 
At 07 Dezember, 2007 19:06, Blogger Phan-Thomas alias "Professor Chaos" meint...

Kann mich in meiner über 9 jährigen GameStar-Abozeit auch nur an wenige überhöhte Wertungen erinnern. Da wären z.B.:

-Der Klassiker Black & White, gell Mick? ;-) Da waren die 81% schon niedrig und eigentlich doch noch zu hoch. Beim zweiten Teil war's dann realistischer.

-Half-Life 2: Totaaaal langweilig (ewige Bootsfahrten, Spielereien mit der Gravity Gun...) und dann über 90%? Nee...

-Gothic 3: Ganz klar, hier gingen die Bugs nicht genug in die Wertung ein. Sowas bringt doch keinen Spaß! Das kann mir echt keiner erzählen.

-C&C3 - Tiberian Sun: Das Ding war absolut gehypt und viel zu gut bewertet. Sah hässlich aus, war furztrocken und stupide einfach.

 
At 07 Dezember, 2007 19:26, Blogger Mick meint...

och, 81 war das erste B&W schon wert, allein schon, weils was Neues war. Und weltweit haben wir damals die niedrigste Wertung gegeben, wie mir Peter Molyneux bei jeder sich bietenden Gelegenheit gern unter die Nase reibt. ;-)

 
At 07 Dezember, 2007 22:53, Blogger McKenna meint...

Über B&W gehen die Meinungen ja heute noch weit auseinander. Ich habs nach 2 Leveln gelassen, kenne aber jemanden der das seit Erscheinen ununterbrochen spielt. Hat auch wenig anderes, der Herr.

Unangenehm aufgefallen mit Misswertungen ist mir nur die ComputerBild-Spiele (darf man das eigentlich noch offen so sagen?), ansonsten blieb es bei kleineren Einzelfällen. Die GS hat sich in den letzten Jahren also gut gehalten, nicht immer transparente aber doch nachvollziehbare Wertungen.

 
At 07 Dezember, 2007 23:30, Blogger Mick meint...

na ja, das mit der Transparenz ist so eine Sache. In die Wertung gehen ja mehr als lauter Einzelkriterien ein. Ich bin deshalb auch kein Freund dieser bis in letzte Detail berechneten Wertungen mit Monsterwertungskasten und Motivationskurve. Spielspaß ist mehr als die Summe einzelner Elemente. Das ist ja keine exakte Wissenschaft oder sowas wie der TÜV. Die richtige Note zu finden ist ja die Kunst dabei. Addieren kann jeder, richtig werten ist aber was anderes.

 
At 08 Dezember, 2007 01:43, Blogger Avantenor meint...

Aus eigener Erfahrung muss ich dazu noch sagen, es hat immer auch damit zu tun, was ein Publisher einem zeigt. In der Regel hat man ja nur ein begrenztes Zeitbudget, um ein Spiel anzutesten. Und in diesen Stunden sieht das Spiel fantastisch aus, es ist was neues und es ist so unterhaltsam, daß man es aus dem Stand heraus kaufen würde. Dementsprechend schreibt man dann auch seine Berichte, denn man will ja nicht unnötig negativ sein. Tja, und dann ist das Spiel fertig und man merkt, alles wiederholt sich, die hässlichen Level kommen zum Schluß oder das neue feature ist nach 10h so ausgelutscht, daß man es gar nicht mehr richtig zur Kenntnis nimmt. Das ist eine zugegeben blöde Situation. Niemand gibt gerne zu, daß er sich getäuscht hat.

 
At 08 Dezember, 2007 11:44, Anonymous phil meint...

Bei Gamestar hatte ich noch nie das Gefühl dass irgendwelche Spiele überbewertet worden sind.Es hängt auch immer vom Redakteuer ab,wenn er dass Spielprinzip/die Grafik/die Story mag bekommt das Spiel automatisch eine höhere Wertung als normal.
Wirklich objektive Wertungen wird es deshalb nie geben,es sei denn irgendjemand erfindet einen Spieletest-Computer.

Ich schätze aber schon dass Publisher versuchen mit bestimmten Tricks und Marketing-Gags eine höhere Wertung zu erzielen.
Man denke nur an die Preview-Veranstaltungen von Assasin's Creed mit dieser Jade Raymond,über die du im Oktober geschrieben hast.

 
At 08 Dezember, 2007 15:58, Blogger Mick meint...

@avantenor: Was Du da beschreibst ist der SuperGAU jedes Journalisten. Man schreibt Previews (ich hoffe mal Du meisnt damit keine Tests) doch nicht aus Gefälligkeit dem Publisher gegenüber. Dass der nur die guten Seiten zeigen will,ist klar. Nur: Wer gut recherchiert, nervig nachfragt und alle Sinne beisammen behält, dem passiert sowas nicht. Vor allem nicht dann, wenn man das entwicklerteam kennt und weiß was die können und was nicht. Falls aber doch mal, legt man es beim Test (für den man sich ausreichend Zeit nehmen muss)gnadenlos offen und gibt dem Mist die Note, die er verdient hat. Denn Lügerei hat noch niemandem geholfen.
@phil: die Jade Raymond-Geschichte hat sicherlich keine höheren Wertunge neingebracht, sondern bestenfalls mehr Coverage durch Interviews mit der Dame. Generell lässt sich ein erfahrener Redakteur nicht von der Presseabteilung ins Boxhorn jagen. Das mögen die Damen und Herren dieser Abteilungen anders sehen, nur klappt das nie.

 
At 08 Dezember, 2007 16:04, Blogger LeChuck meint...

Das Problem, sind meiner Meinung nach diese bekloppten 0-100 Wertungen die es in keiner anderen Form der Kulturkiritk gibt. Da geben dann zwei bis drei Punkte den Ausschlag ob ein Spiel gekauft wird oder nicht. Das läd ja geradezu dazu ein, mit manchmal obskuren Argumenten "nur" eine 83 oder doch schon eine "85" zu geben. Wer kann schließlich schon im Einzelnen Nachvollziehen ob die Steuerung jetzt wirklich eine 6 oder 7 in der Einzelwertung verdient hat? Das was man damit vorgeblich erreichen möchte, nämlich Transparenz, verfehlt man so erst recht. So braucht man sich nicht zu wundern, wenn dann immer wieder der Vorwurf von gekauften Wertungen auftaucht.

Noch eine Anmerkung: Sacred hat zum Beispiel in deutschen Magazinen eine sehr hohe Wertung bekommen (im Schnitt hohen 80er glaube ich). In den US-Magazinen wurde es aber im Schnitt nur im niedrigeren 70er Bereich gewertet. Da kann man schon leicht auf den Gedanken kommen, dass die Nähe zum Publisher sich irgendwie auf die Wertung auswirkt.

 
At 08 Dezember, 2007 16:25, Blogger Mick meint...

gerade die exakten 100er Wertung brauchen wir. Denn damit kann man wundervoll Spiele einteilen, wenn das Grundgerüst einer Wertungstabelle stimmt. Man kann sehr leicht sagen: Spiel x ist besser als y aber schlechter als z. Dann reicht ein blick in die Tabelle und man weiß, wo es hingehört. Idiotisch ist es allerdings die Wertung aus Einzelsdisziplinen zusammen zurechnen.
Die überwältigende Zahl der Leser will ja eine Wertung. Kein Mensch liest die ganzen Artikel und gibt sich dann mit einem "ordentlich", "ganz gut" oder "sehr gut" zufrieden. Und mal ehrlich, gibts es etwas schöneres als Wertungsstreitereien,?
Zu Sacred: Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Amerikaner und vor allem Engländer haben leider die unangenehme Neigung alles was nicht aus heimischen Landen kommt (und aus Deutschland ganz besonders) wertungstechnisch abzustrafen. Frag mal deutsche Entwickler danach, wenn die auch nur einen Termin bei ner Amizeitschrift haben wollen. Da herrschen noch ne Menge Vorurteile, nur als "Fritz" bezeichnet zu werden gehört zu den geringeren übeln. Ich habe z. B. sehr häufig gemerkt, das Ami-Kollegen nur ein Thema kennen, wenn sie mit Deutschen reden" How is it to drive fast on the Autobahn?" Damit erschöpft sich meist deren Interesse.

 
At 08 Dezember, 2007 18:04, Anonymous Unlogicial meint...

Nun, gekaufte Wertungen wären mir jetzt auch noch nie aufgefallen.
Das Einzigste, was man noch meinen könnte, wären gehypte Wertungen, dass der Redakteur sagt, das Spiel wird so sehnsüchtig erwartet, das kann doch nicht soooo schlecht sein und gibt besser, wie es verdient hat, aber nicht unbedingt gut, wobei es da natürlich auch drauf ankommt.

Fand das damals von der GS mit Black & White gut. War die weltweit niedrigste Wertung, was ich doch ziemlich mutig fand. Gut hinterher haben welche noch gemeint, dass es evtl. immer noch etwas zu hoch, nun vielleicht, aber ich fand die Wertung relativ angemessen...

@sempai
nun, ich fand die Gothic 3 Wertung nicht zu hoch. Nun, als "seit Gothic 1 dabei" Spieler mag ich parteiisch sein, aber ich fand das in der GameStar auch schön gemacht, als der Nachtest von Gothic 3 kam, hat Christian Schmidt gesagt, "das dürfte so nicht im Laden stehen" und er hatte ganz sicher Recht, so viele Bugs dürfen einfach nicht sein, aber er hat selber zugegeben, dass er trotzdem sich wieder wie bei den Vorgängern Nächte um die Ohren geschlagen hat. Und diese subjektive Sicht, die die stimmige, interessante Welt, hoch anrechnet und die fehlende Geschichte in den Hintergrund rückt, finde ich schon passend ;-)

aber ich schweife ab *g*

 
At 08 Dezember, 2007 22:50, Blogger LeChuck meint...

@mick
Zu Sacred: Das ist mir jetzt zu verschwörungstheoretisch. Erstens: Französische Spiele erreichen in amerikanischen Spielzeitschriften auch gute Wertungen. Obwohl das Verhältnis zwischen den USA und Frankreich auch nicht unbedingt nur durch innige Liebe gekennzeichnet ist. Zweitens: Auch Farcry, bekanntermaßen ein deutsches Spiel, hat in den USA super Wertungen bekommen. Drittens: Ich habe mir die Wertungen in zwei (zugegeben ist das nicht repräsentativ) spanischen Spielzeitschriften angeschaut. Auch dort wurde Sacred nicht so überwältigend bewertet wie in Deutschland. Vielleicht hat das jetzt mit einer Apathie gegen Deutsche zu tun… Ballermann… die Vermüllung von Mallorca, das 4:1 von Bayern gegen Real im Jahr 1987… das wären zumindest nachvollziehbare Gründe es den Deutschen mit einer schlechten Sacred-Wertung heimzuzahlen. Aber ich denke dennoch, dass es schlicht zu einfach ist, die schlechten Wertungen von Sacred auf irgendwelche antideutschen Ressentiments zu schieben. Ich fand das Spiel zum Beispiel auch nicht so toll und habe die Wertung in den amerikanischen Spielemagazinen eher nachvollziehen können. Viertens: Auch wenn Du recht haben solltest, zeigt das doch nur wie subjektiv die Wertungen sind, wenn sogar so ein Schwachsinn, wie das Land aus dem ein Spiel stammt, in unbewusst in die Wertung mit einfließt. Da hilft dann offensichtlich auch keine noch so tolle 100 Wertung.

Zu den Wertungen: Wir sind uns darin einig, dass Wertungen die sich aus Einzelwertungen ergeben bescheuert sind. Und tatsächlich kann ich mit einer 100 Wertung besser leben, wenn dieser Blödsinn weggelassen wird. Eine Wertung wirkt dann einfach nicht so konstruiert, und man muss halt auch mal der Tatsache Rechnung tragen, dass sich Spielspaß nicht einfach errechnen lässt. Ich teile auch Deine Vorliebe für Wertungsstreitereien. Trotzdem glaube ich, dass ein 83-Spiel nicht viel schlechter als ein 85 Spiel ist, viele es sogar besser finden werden. Denn immerhin haben sich seitdem es die 100 Wertungen gibt, und das ist jetzt glaube ich schon seit bald 25 (?) Jahren der Fall, die Geschmäcker viel weiter differenziert. Das Problem: Trotzdem wird sich das 85-Spiel wesentlich besser verkaufen, weil alle nur auf die Zahl schauen. Und das ist einfach ein Problem an diesem 100-Wertungsystem.

 
At 09 Dezember, 2007 00:13, Blogger Mick meint...

das mit den Amis und Engländern ist leider wahr, das weiß ich ja aus eigener Erfahrung. Die reduzieren Dich auf das Hollywood-Abziehbild des doofen Deutschen, die netteren fragen eben noch höflich nach der autobahn oder ob man bei der German Army war. Die Wertung für Sacred war mit einem mittleren 80iger im Vergleich zu Diablo 2 schon sehr richtig, wie man am großen Erfolg, übrigens auch in Amiland führt. Aber guck mal wie Klassiker wie Siedler, Anno oder andere deutsche Spitzentitel dort drüben abschneiden. Teilweise unterirdische Wertungen mit haarsträubenden Begründungen. Traurig, aber wahr. Crysis ist die große ausnahme, aber das wohl auch, weil man dem Spiel nicht sofort anmerkt, woher es kommt.
Womit wir beim Thema Wertungen wären: Was sich besser verkauft hängt gar nicht so sehr von den Wertungen ab. Ein 83iger kann sogar besser laufen als ein 85iger. So Notenfixiert sind die Käufer nun wirklich nicht. Und wer keine 100er Wertungen ag hat ja den Vorteil, daß er sie einfach ignorieren kann und den Test für sich liest. Es fehlt Dir dann ja nichts.

 
At 09 Dezember, 2007 11:19, Blogger Aufklärungszentrale meint...

Beigelgte Vollversionen sind schon was tolles. Deshalb hab ich sogar mal mir ne Computerbild Spiele gekauft. Des war mir ein XP-fähiges Rollercoaster Tycoon 1 incl. aller Addons wert.

 
At 09 Dezember, 2007 14:50, Anonymous Wertungen sind überflüssig. meint...

Dem casualgamer, ist eine Wertung doch scheiss egal, da er sie, höchstwarscheinlich eh nicht liest, sondern sich von anderen dingen(Werbung, coole fussballer auf fifacover ect) beinflussen lässt.

Das Gamestar, einer deutschen Produktion wie Crysis, 94%(Gamestarrekord) erteilt, finde ich doch sehr bedenklich, das Spiel sieht super aus(auf highend), aber story, gameplay sind nichts weltbewegendes.

 
At 09 Dezember, 2007 15:50, Blogger Mick meint...

@aufklärungzentrale: Dann beschwer dich aber auch nicht über schlechten Journalismus.
@wertungen: Deinem Namen entnehme ich mal Deine meinung. Daß Wertunge nicht überflüssig sind siehst du a) an den zahlreichen Diskussionen über das Thema, also sind sie vielen wichtig. und b) daran, daß allen Heften mit einem anderen Wertungssystem als dem 100er-System keinerlei Erfolg beschieden war. Dei PC Player hat das auf die harte tour lernen müssen. Was Crysis betrifft: Was ist daran bedenklich? Daß es ein deutsches Spiel ist oder daß es deiner Meinung nach nicht so toll ist?

 
At 10 Dezember, 2007 10:52, Anonymous Mash meint...

@Nils:
Seit wann bist Du ein Höllenbewohner? ;)

Zur Sache: ich weiß nicht genau, wann Du das alles aus mir rausgeprügelt haben willst. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinner, sowas gesagt zu haben.

Als erstes: ich habe noch nie was aus einer Pressemitteilung wortwörtlich übernommen. Da kommt in mir der Schüler-Instinkt durch, beim Abschreiben nichts wörtlich zu übernehmen, selbst wenn man für ein Newsitem nur eine Pressemitteilung hat. Mit ein wenig Erfahrung kann man da nämlich auch in drei Sätzen Querverbindungen ziehen usw.

Dann: aus der Diskussion im PCP-Forum entnehme ich, dass Du dann mal gerne studierte Journalisten in den Spielezeitschriften sitzen haben möchtest. Die sitzen bei Tageszeitungen oder dem Spiegel, und was da zuweilen an mangelnder Fachkenntnis zutage tritt, ist ganz furchtbar.

Ich wüsste jetzt auch nicht, welche wichtige Fähigkeit mir abgeht, die ich nur im Journalismus-Studium hätte erwerben können.

Dann: Leserinteresse gibt den _Umfang_ der Berichterstattung vor, nicht die _Wertung_. Und bitte, von welcher Korruption redest Du? In Form von genau was? Dass "Steel Beasts" nicht so genau den Massengeschmack trifft, weißt Du selbst ganz genau. Das ist ein Spiel für ein paar Fans.

Was die Vorberichterstattung und Konsistenz zur abschließenden Wertung angeht: ich habe mal selber einen Jubelartikel über "Blade Runner" geschrieben (lang, lang ist's her), weil ich einfach geglaubt habe, das wird ganz toll. In der nächsten Ausgabe hatten wir die Testversion, und was war? War ganz gut, aber bei weitem nicht überragend. Was gab's? 80 Prozent. Virgin hat damals getobt, inklusive Anzeigenstopp usw. Und, hat's wen in der Redaktion gekratzt? Anzeigenabteilung und Redaktion sind getrennt und haben nichts miteinander zu tun, wie Du auch von Deinen Redaktionsbesuchen her wissen kannst.

Also bitte keinen Unfug und wilde Spekulationen verbreiten.

 
At 10 Dezember, 2007 18:33, Anonymous my 2 cent meint...

mal weg von wertungen und gamestar. ich denk das man als "journalist" innerhalb der spielebranche einfach teil der vermaktungskette von spielen ist und deshalb der spielraum schlechte software zu brandmarken eher klein ist. die vorher fett gehypeten titel gehen dann eben auf jeden fall relativ ungeschoren vom platz.
vielleicht trifft der vergleich vom "embedded journalism" aus dem irak.
man berichtet auf grund von material welches man von der industrie bekommt, kennt oder ist befreundet mit den jeweiligen machern der produkte und will ja auch in zukunft noch mit denen zusammenarbeiten.
ich glaube nicht das das ein umfeld für kritischen, investigativen journalismus ist.

 
At 10 Dezember, 2007 18:45, Blogger Mick meint...

Deine Argumentation trifft auf jeden journalisten zu (dabei braucht man das Wort nicht in anführungszeichen zu setzen) Auch ein politische journalist muss mit immer denselben Leuten auf Dauer zusammenarbeiten, ist er deshalb weniger kritisch? Nein, das würdest Du ihm auch nie unterstellen. In der Spielebranche unterstellst Du uns aber, dass wir ja alle miteinander befreundet, kungeln miteinander und sind voneinander abhängig wären. Wie kommst Du darauf? Hast Du auch nur einen einzigen Beweis oder zumindest Anhaltspunkt dafür? Und wieso liest Du dann unsere Magazine überhaupt noch. Ist doch eh alles erstunken und erlogen. Uns als "Teil der Vermarktungskette" zu bezeichnen ist schon eine boshafte Unterstellung, die jeder Grundlage entbehrt und für eine schallende Ohrfeige für jeden seriös arbeitenden Kollegen und mich ist. Warum streiten wir eigentlich mit Herstellern und Publishern rum, warum reißen wir uns den arsch auf, um sowaohl aktuell, als auch kritisch zu sein? Nur um uns dann von Leuten wie dir, die unsere Branche nicht kennen, dafür aber uninformierte Meinungen von sich geben, sowas vorwerfen zu lassen?

 
At 10 Dezember, 2007 20:52, Anonymous my 2 cent meint...

naja mal langsam... von erstunken und erlogen rede ich nicht. ebenso steht da oben "denke","glaube", und "vielleicht".
nein, ich bin kein insider. trotzdem kann ich mir doch gerade anhand gerstmann mal meine gedanken machen und sind nicht blogs der platz für sowas ;). beweise und anhaltspunkte ... könntest du ja mal liefern. für mich wäre es sehr interessant mehr über streits und auseinandersetzungen mit und zwischen herstellern und publishern zu lesen.
klar trifft das oben geschriebene auf jeden journalisten zu. und es ist ja gerade die herausvorderung da zu bestehen (kohl/spiegel anyone?).
natürlich findet kritik auch in den spielemedien statt, deiner meinung nach genug? und ist sie laut genug?

die hersteller bewerben ihre titel mit awards und wertungen die von den medien vergeben werden, wertungen/awards von spielen haben einfluß auf verkaufszahlen von spielen und aktienkurse der hersteller.
hersteller haben also ein großes interesse an guten wertungen. auf der einen seite stehen wenige sehr große hersteller mit großer marktmacht und großem finanziellen interesse. auf der anderen seite eine vielzahl von online und offline medien die um aufmerksamkeit kämpfen und auch auf zuarbeit und informationen der hersteller angewiesen sind. das sind meine "anhaltspunkte" die mich vermuten lassen das die spielräume für deutliche, laute kritik klein sind.
und sorry, ich spiele gern und verfolge die berichterstattung.
wenn deine antwort auf kritik am system und nicht an deiner person ist "lies uns halt nicht" dann ist das sehr schade und auch sehr vielsagend

 
At 10 Dezember, 2007 23:36, Blogger Mick meint...

Tief Luft holen: Ich vermute mal Dir war wahrscheinlich nicht bewusst, was Du uns Journalisten vorgeworfen hast. Teil der Verwertungskette zu sein bedeutet, dass wir nicht unabhängig sind. Das geht direkt ins Mark, ans Berufsethos. Redaktionen sind unabhängig, sonst sind es ja keine Redaktionen mehr. Das gilt zumindest für die deutsche Printpresse. Was in Amiland abgeht, weiß ich nicht. Und was meine Aufforderung uns nicht mehr zu lesen angeht: Das ist ehrlich gemeint. Denn wenn wir ja wiorklich bestechlich sind, wäre es reine Zeitverschwendung unsere Artikel zu lesen, da sie ja gekauft wären. So einfach ist das. Da gibts gar keine diskussionsgrundlage für. Entweder man glaubt uns und liest uns, oder eben nicht.

 
At 11 Dezember, 2007 10:11, Anonymous Mash meint...

@my 2 cent:
"embedded journalism" gibt es in der Spielebranche nicht.
Gerstmann ist IMHO geflogen, weil er eh schon auf der Abschussliste stand. Die haben sich schon früher mit Publishern angelegt, und nie ist was passiert.
Ich habe es in meiner Karriere noch nie erlebt, dass jemand in der Firma mich ernsthaft beeinflussen wollte was Wertungen angeht.

Das Problem hast Du in jedem Journalismus, dass Firmen dann keine Anzeigen mehr schalten, wenn sie schlecht in der Berichterstattung wegkommen. Jede halbwegs seriös arbeitende Firma tut das aber nicht. Ich habe Verständnis dafür, wenn ein Publisher sagt "Spiel XY bekommt eine schlechte Wertung, was nützt es mir, dafür eine Anzeige zu schalten?" Das heißt aber nicht, dass es kompletten Anzeigenstopp gibt, die Zeiten sind vorbei.

Und von einem Chefredakteur erwarte ich, dass er über solche Drohungen nur müde lächelt. Ich kann es nur immer wieder betonen, Anzeigenabteilung und Redaktion sind zwei voneinander völlig getrennte, unabhängige Abteilungen - anders ist die Arbeit gar nicht möglich. Ich habe z.B. als einfacher Redakteur zum guten Teil gar nicht erfahren, dass uns irgendwer mit Anzeigen boykottiert. Als Leitender Redakteur wusste ich das schon, habe mich aber weiter nicht daran gestört.

 
At 11 Dezember, 2007 17:06, Anonymous Dietmar meint...

"Auch ein politische journalist muss mit immer denselben Leuten auf Dauer zusammenarbeiten, ist er deshalb weniger kritisch? Nein, das würdest Du ihm auch nie unterstellen." (mick)

Also gerade beim politischen Journalismus sind Interessenverquickungen alles andere als ungewöhnlich. Das geht hin bis zur devoten Hofberichterstattung. Als Alibi gönnt man sich dann gelegentlich eine kritische (aber immer systemimmanente) Kolumne oder im TV die eine oder andere Kabarettsendung nach 22:00 Uhr.

Kulturkritiker hingegen, deren Gegenstand der Kritik öffentlich einsehbar ist (also z.B. Musik, Bücher, Filme, Computerspiele), werden es sich dauerhaft nicht leisten können, schlechte Produkte zu bejubeln.

Bei der Gamestar geht es ja sogar soweit, dass die Wertungskonferenzen teilweise öffentlich und damit nachvollziehbar gemacht werden.

 
At 11 Dezember, 2007 22:56, Anonymous Sixtus Freebyte meint...

Wenn ich mir die Jubelexzesse der Print- und Onlinemedien zu lang erwarteten Spielen (aka "Hypes") der letzten Jahre an mir vorbeiziehen lasse, erkenne ich da eher einen Fahrstuhleffekt im Sinne von "Ok, das Spiel ist nicht so dolle wie erwartet - aber sollen wir jetzt wirklich von der bisherigen Berichterstattung abweichen und das Spiel abwerten?"

Stalker hat zb. in der GS eine Wertung von 90% bekommen. Real gesehen müsste man 85% geben weil 5% vertane Chancen dabei waren, 5% Abzug für eine nicht dem Spielziel entsprechende Grafikengine und die restlichen 5% Abzug für Balancing und Bugs.

Sowas geht aber nicht, weil die Gegend um 85% schon von Titeln wie "Tomb Raider Anniversary" belegt sind - das zurecht, aber nicht aus den in den Tests genannten Kriterien sondern weil zum Schluss nur noch stupides Reflextraining unter Stress gefordert ist.

Damit sind wir schon in der Neuzeit beim Spiel "Crysis" wo ich anscheinend ein ganz anderes Spiel gekauft habe als die Redaktionen testen konnten: wurde das Gameplay beim Vorgänger "Far Cry" erst mit den ganzen Monstern zäh und hatte die eine oder andere Schwäche beim Leveldesign hat man bei "Crysis" wohl alle schlechten Ideen der letzten Jahre konsequent in die zweite Hälfte gepackt. Denn bis zum Alienschiff war es ein angenehmer, wenn auch eher unausgegorener Shooter der sich dann ganz schnell extrem liniearisierte und in eine Ballerschlacht mündet. -5% für vertane Chancen, -5% für Ressourcenvergeudung, -5% für Ideenlosigkeit in der zweiten Hälfte und -10% für den überflüssigsten Level in einem Spiel insgesamt: dem Schwimmlevel im Alienschiff. Gesamtwertung: 75%, wegen technischer Perfektion (leider nur auf entsprechenden Rechnern nachvollziehbar) und Deutschlandbonus auf 80% angehoben - mehr aber auch nicht.

COD4 habe ich immerhin mehrfach durchgespielt (und sei es nur um zu erfahren, was die KI noch so für Gemeinheiten drauf hat) - beim zweiten Mal "Cryis" hab ich irgendwie mittendrin die Lust verloren.

Mein Glaube an die Gültigkeit der Wertungen der Spielemagazine ist jedenfalls nach Crysis soweit abgesunken, dass ich die diversen Abos nur noch aus Faulheit weiterlaufen lasse.

Sixtus

 

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