Sonntag, 24. Juni 2007

Journalisten, die die Welt braucht

Endlich hat mal ein Journalist nen Preis gekriegt, der es auch verdient hat. Und Meister Broder hat auch gleich einen Artikel verfasst, der mir so richtig aus dem Herzen spricht. Schöner, kann man es kaum formulieren. Schade, daß solche Autoren so selten sind.

13 Comments:

At 24 Juni, 2007 23:50, Anonymous moeppeldoepp meint...

"Journalisten, die die Welt braucht" - wirklich ? So richtig ?

 
At 24 Juni, 2007 23:57, Blogger Mick meint...

allerdings, ohne Leute wie Broder oder Scholl-Latour wäre die Presselandschaft nur ein einziges Einerlei ewig wiederholten Geschwätzes!

 
At 25 Juni, 2007 00:15, Anonymous moeppeldoepp meint...

"Man hat ein Recht, einen Menschen nach der Wirkung zu beurteilen, die er auf seine Freunde übt."

Ich bin mir nicht sicher, was ich von der Polemik halten soll, die er an den Tag legt - und welche Konflikte er noch verschärft.

Auch ist der verlinkte Artikel recht streitbr, finde ich. Herr Rushdie darf schreiben, was er will - aber mit den vollkommen vorhersehbaren (und natürlich nicht entschuldbaren) Reaktionen nichts zu tun haben zu wollen...

Ich kann einem Menschen einen Hammer verkaufen. Aber einem Menschen einen Hammer zu verkaufen, wohlwissend, dass er damit jemanden erschlagen wird ?

 
At 25 Juni, 2007 00:24, Anonymous moeppeldoepp meint...

Um Missverständnissen vorzubeugen:

Mit "natürlich unentschuldbaren Reaktionen" meine ich, dass ich die Reaktionen (des Iran) auf seinen Roman verurteile.

 
At 25 Juni, 2007 00:36, Blogger Mick meint...

es geht Broder darum, dass wir bereits die Schwere im Kopf haben, wenn es um das Thema "Islam" geht. Nicht Herr Rushdie ist schuld an der Gewalt, sondern die Täter, niemand anderes! Was würdest du sagen, wenn der Papst zum Mord aufrufen würde, nur weil jemand ein Christenkritisches Buch verfassen würde? Sollen wir all unsere Taten danach beurteilen, welcher Mullah sich davon auf den Schlips getreten fühlen könnte? Nein! Sowas nennt man freie Meinungsäußerung, eins der höchsten Güter unserer westlichen Kultur, mit dem sich auch einige Herrschaften im Mittleren Osten abfinden müssen.

 
At 25 Juni, 2007 01:00, Anonymous Anonym meint...

Grüß dich Mick,

nun, Herr Broder lügt, wenn er sagt

"Während in Teheran und Islamabad die britischen Botschafter zur Entgegennahme von Protestnoten 'einbestellt' und auf Massendemos in iranischen und pakistanischen Städten britische Flaggen und Puppen von Königin Elizabeth und Salman Rushdie verbrannt wurden, war das offizielle London von Ausmaß und Heftigkeit der Reaktionen 'überrascht'."

Im Iran gab es meines Wissens überhaupt keine Straßen-Proteste, zu Pakistan kann man sagen dass 150 Demonstranten in einer 9 Mio-Stadt wie Lahore wohl kaum als "Sturm der Entrüstung" zu bezeichnen sind. In Malaysia demonstrierten 30 Islamisten, in Kashmir 30 und die deutschen Medien sind voll von Empörung auf Moslems, die mal wieder alle empört sind. Siehe hier: http://tinyurl.com/2uqpda

Broder kann auch sein Stil nicht retten, wenn er immer und immer wieder von kultureller Bedrohung durch den Islam bzw. Islamismus (er macht da keinen Unterschied) schwadroniert und davon, wie in Deutschland angeblich langsam die Scharia eingeführt wird. Wie alle zurückweichen wegen der Political Correctness und wie alles antisemitisch und antiamerikanisch sei, was nicht seinem Weltbild entspricht. Zum K**zen, der Mann.

 
At 25 Juni, 2007 11:22, Blogger Mick meint...

na, wo der Broder Recht hat, hat er eben Recht. Außerdem kann man dem Mann nun wahrlich keine Einseitigkeit vorwerfen. Der lästert auch über jüdische Siedler, die sich als die letzten Beschützer der Freiheit im Westjordanland aufführen. Und das die sogenannte "political correctness" (ein fürchterliches Wort) die Geissel der vermeintlich freien Welt ist, stimmt ja nun auch leider. Ich finde es auch immer wieder lächerlich, wie mit Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten irgendwelcher Mullahs sich hierzulande Journalisten selber den Maulkorb anlegen. Wenn man selbst Operninszeniereungen absagt, weil irgendwo ein Islamist sich drüber erregen und ne Bombe schmeißen könnte. Was soll denn die Lehre daraus sein: Gewalt lohnt sich doch? Man muß nur genug Leute um die Ecke bringen und Bomben zünden, um ernstgenommen zu werden? Sollten das die Katholiken der Welt auch mal versuchen, wenn mal wieder einer über den Papst oder Jesus lästert?

 
At 25 Juni, 2007 13:53, Anonymous Anonym meint...

Man darf auch die 40 Toten nicht vergessen die der Fatwa schon zum Opfer gefallen sind...

 
At 25 Juni, 2007 14:41, Anonymous moeppeldoepp meint...

Wie gesagt ... ich kritisiere Rushdie nicht für das, was er geschrieben hat.
Ich sehe aber auch nicht ein, dass Autoren mit den Reaktionen absolut nichts zu tun haben sollen, umsomehr wenn sie vorhersehbar sind.
Er macht sich natürlich nicht zum Mittäter, aber sehenden Auges Konflikte heraufzubeschwören oder sie zu verschärfen ist nicht der seeligmachende Weg.

Wenn es um Menschenleben geht sollte man nicht auf sein Recht pochen, sondern Größe zeigen.
Ich glaube nicht, dass ein Herr Broder mal von sich wird sagen können, dass er viel Frieden gestiftet hätte. Aber das ist es, was zählt.

 
At 25 Juni, 2007 14:45, Blogger Mick meint...

Und wie stiftet man Frieden? Indem man Probleme unter den Tisch kehrt und die anderen aus falsch verstandener Toleranz heraus einfach gewähren lässt? Wozu das führt, hat man 1939 gesehen, als Chamberlain Adolf Hitler gewähren ließ...
Journalisten sind nun mal keine Friedensstifter, sondern legen den Finger solange in die Wunde, bis sich jemand drum kümmert.

 
At 25 Juni, 2007 14:57, Anonymous moeppeldoepp meint...

Und Herr Broder ist natürlich ein solcher Gutmensch, dass er sich selbstlos ein Journalisten-Dasein aufbürdet, wo er doch viel lieber humanitäre Arbeit leisten würde ;-).

Naja, vielleicht liegst du richtig - vielleicht ! (Zu mehr kann ich mich gerade nicht durchringen. :p) Bin dann mal raus aus der Diskussion, so viel Aufmerksamkeit hat Herr Broder nämlich nicht verdient. ^^

 
At 25 Juni, 2007 15:33, Blogger wolf meint...

Ich gratuliere Hendrik M. Broder zum Ludwig-Börne-Preis. Und ich stimme Mick zu, dass genau dieser Preis an einen würdigen Journalisten gegangen ist. Ich stimme mit den Einschätzungen von Herrn Broder nicht immer überein. Aber er gehört tatsächlich zu den wenigen Journalisten, die Einschätzungen zu politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ereignissen haben - und diese auch ehrlich äußert. Wenn ich die Leitartikeler der Tageszeitung lese, dann ist im Regelfall der "Quark der Belanglosigkeit" kaum zu übertreffen.
Journalisten sind nicht nur die Dokumentare von (Welt)Ereignissen, sondern auch die Kommentatoren, die Finger auf wunde Punkte legen, die neue Fragen stellen und nicht immer den Kopf einziehen, wenn es unbequem wird oder die "Beliebtheitsskala" darunter leiden könnte.
Okay, Broder ist arrogant. Macht ihn das zu einem besseren oder schlechteren Journalisten? Nein! Aber er läßt sich den Mund und seinen Denkapparat nicht verbieten - das macht ihn zu einem guten Journalisten. Und damit steht er auch in der Tradition von Ludwig Börne.
Lieber ein Journalist der zum Denken und Streiten herausfordert, als 1.000 Journalisten die nur ein nichtssagendes Kopfnicken bewirken.

Was in den Kommentaren alles zu Rushdie steht, wäre eine eigene Abhandlung zur Freiheit der Kunst wert. Sicher haben Künstler, für das was sie tun, Verantwortung zu übernehmen - das tun Künstler auch, indem sie ihr Kunstwerk der Öffentlichkeit zu gänglich machen. Aber auf gedrucktes Papier mit Morddrohungen zu reagieren, das kann und darf nicht unkommentiert bleiben. Und es bleibt egal, ob die Reaktionen darauf vorhersehbar war. Und ob Rushdie tatsächlich gegen Menschenrechte mit seinem Text verstößt oder zu einer Straftat aufruft, glaube ich nicht.

 
At 25 Juni, 2007 15:43, Blogger Mick meint...

@wolf: sehr schön gesagt :-)

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home

kostenloser Counter