Montag, 12. Februar 2007

Vachmann vür Versicherungsfragen

Ich schwadroniere hier ja immer wieder mal gern über die Rente. So richtig lustig wird es aber erst, wenn man mal mit der echten Deutschen Rentenversicherung zu tun hat. Dazu muss man wissen: Aus der Versicherungsnummer, die auf jedem Schreiben oben prangt, kann man sehr leicht mein Geburtsdatum erkennen. Zumindest jeder geschulte Sachbearbeiter sollte das können, mir gelingt das ja auch. Offensichtlich ist das aber nicht so. Wie sonst sollte ich mir die Fragen erklären, die die hochverehrte Rentenversicherung plötzlich an mich hat.
Etwa: »Waren Sie vor dem 1. 7. 1969 selbstständiger Handwerker?« Ja klar, da habe ich mit fünf Jahren im Sandkasten meine preisgekrönten Ritterburgen mit der Schüppe handgekloppt. Zählt das auch?
Sehr schön ist auch diese Frage: »Hatten Sie eine versicherungsfreie Lehrzeit vor dem 1.3. 1957?« Tja, da fällt mir die Erinnerung ein wenig schwer. Damals war ich ja noch flüssig, aber ich habe zusammen mit den anderen paar Millionen Spermien sicherlich viel gelernt, das kann ich Ihnen versichern.
Oder die hier: »Haben Sie sich nach der Vollendung des 15. Lebensjahrs in den Niederlanden aufgehalten?« Hüstel, hmpf, nun ja, ich war mal mit ein paar Freunden in Amsterdam, aber daran können wir uns allesamt nicht mehr so genau erinnern.
Weiter geht's: »Haben Sie Beschäftigungszeiten in Polen zurückgelegt?« Ähm, ja, 400 Kilometer.
Und zum Schluß noch: »Haben Sie auf einem Rheinschiff eine Beschäftigung ausgeübt?« Nüchtern: nein. Angetrunken war ich mal zu PC Player-Zeiten auf einem Acclaim-Event. Da war auch Captain Kirk, der war auch hackedicht und hat mich angerempelt.
Diese Fragen gibt's alle wirklich, nachzulesen in dem schmucklosen Formular, das mit einem stilistisch fragwürdigen Anschreiben in meinem Postkasten gelandet ist. Liebe Rentenversicherung: Gönnt Euch mal nen richtigen Lektor für Eure Geschäftspost. Das ist ja peinlich.

18 Comments:

At 12 Februar, 2007 06:49, Blogger Beli's Bio Blog meint...

Hoi,

das ist halt das Problem mit solchen Fragebogen - die werden nicht für jeden einzeln geschrieben, sondern jeder bekommt den gleichen... Und für (noch) ältere Leute können diese Fragen relevant sein ;)

 
At 12 Februar, 2007 07:43, Blogger Hazamel meint...

*hüstel* Ich möchte mich mal ganz klar von dem Verein distanzieren....

Aber beli wird schon recht haben: Das sind Standardfragebögen ;) Aber ich hab deinen Post mal zur allgemeinen Belustigung an ein paar Kollegen hier im Haus verteilt. (Und gut dass ich DRV Bund bin und nicht DRV Bayern Süd ;)

 
At 12 Februar, 2007 09:55, Blogger Mick meint...

@beli: zumindest die 1957er-Frage hat sich mittlerweile erledigt. Selbst wer zu dem Zeitpunkt erst 17 war, ist heute mittlerweile mindestens 67 und damit eh schon lange in Rente.
Generell sind diese Standardfragebögen komplett unsinnig. Enthalten sie nicht nur haufenweise überflüssige Fragen, sondern bieten zu den Antworten, die ich geben muss und wollte, gar keine Möglichkeiten. Es ist ja auch ziemlich selten, daß jemand nach dem 17. Lebensjahr noch auf der Schule war und später studiert hat. Dazu gab es nämlich keine einzige Angabemöglichkeit, reichlich doof, oder?

 
At 12 Februar, 2007 10:25, Blogger Hazamel meint...

@mick: Frag lieber nicht was bei sowas dann teilweise zurückkommt!

"Streichen Sie falsche Angaben durch und ergänzen Sie die Richtigen im nebenstehenden Feld"

In den meisten Fällen ist dann alles durchgestrichen und genau das gleiche nochmal daneben geschrieben!

Und bei solchen Standard-Fragebögen gehts nunmal nur darum, Sonderfälle zu erfassen. Dass du dann kein "Guten Tag Herr Schnelle, extra für Sie zusammengestellt..." bekommst dürfte auch klar sein.

Dürfte bei der Anzahl unserer "Kunden" auch kaum machbar sein

 
At 12 Februar, 2007 10:56, Blogger Mick meint...

doch, das ginge sehr wohl. Man könnte mir im Klartext die Fragen stellen, die man auch tatsächlich beantwortet haben wollte, statt irgendwelcher dummer Standardformulare. Dann würden die auch die klaren Antworten kriege, die sie haben wollten. Das kann jede andere Firma doch auch. Wieso stellen sich Ämter und Behörden immer nur so dämlich an und verstecken sich hinter irgendwelchen verklausulierten kryptischen Formulierungen? Und ein wenig Höflichkeit könnte auch nicht schaden, schließlich bin ich nicht Bittsteller, sondern Kunde!
Das ist ähnlich wenn ich der Telekom eine Frage stelle und 1und1: Bei 1und1 kriege ich eine Antwort auf meine Frage, bei der Telekom ein Formular mit Standardfloskeln, das auf alles eingeht, nur nicht auf meine Frage. Da merkt man die alte Behördenmentalität noch.

 
At 12 Februar, 2007 11:41, Blogger Klapsenschaffner meint...

Sowas machst Du Sonntag Nacht?
Mein lieber Schwan, Mick! Du weißt wie man feiert!
Rock on!

 
At 12 Februar, 2007 12:40, Blogger Hazamel meint...

Beantwortest das doch schon selber ;) Weil wir Behörde sind geht das nicht anders!

Aber ich kann dich beruhigen, die Antworten, die du als interner bekommst sind nicht aussagekräftiger! Ich lieb es genauso, stundenlang hinter einer Information herzutelefonieren.

Und warum freundlich sein? "Kunde" bist du ja nur im weitesten Sinne. Zu ner anderen Rentenversicherung wechseln kannst du ja schlecht ^^.

Gab bei einer der Träger mal ne Umfrage ob die Mitarbeiter für kundenfreundlichere Zeiten länger arbeiten würden: Überragende 90 % haben ganz klar mit "Nein" geantwortet!

Aber was erzähl ich, das muss man mal hautnah erlebt haben, wie das in ner Behörde so abläuft!

 
At 12 Februar, 2007 12:53, Blogger Mick meint...

@klapsenschaffner: manchmal packt mich eben der Wahnsinn. Das war nur der krönende Abschluß eines arbeitsreichen Tages ;-)
@hazamel: na ja, wenn man zufriedenere Kunden hat, ist vielleicht auch deren Umgang mit der Behörde netter, das Arbeitsklima wird besser und alle freuen sich ;-)

 
At 12 Februar, 2007 13:11, Blogger Hazamel meint...

jaja.... und als nächstes sollen wir dann auch noch arbeiten?! ;) Irgendwo is dann mal Schluß mit lustig ;)

 
At 12 Februar, 2007 14:40, Blogger Dreadknight meint...

Ich arbeite ja auch bei einer Behörde und kenne solche stellenweise unsinnigend Fragen,die irgendwer mal vor 50 Jahren erstellt hat.

Manche Organe der Gesellschaft sind halt noch nicht so ganz im Heute angelangt.

 
At 12 Februar, 2007 14:56, Anonymous Chemikus meint...

Solche fragen sind Klasse, genau wie:"Waren sie vor dem 3.10.1990 Mitglied der NVA oder des MfS oder der kasernierten Volkspolizei der DDR" Diese frage sollte ich doch allen ernstes 2000 beim Bund beantworten, wohlgemerkt ich bin Jahrgang 1980

 
At 12 Februar, 2007 15:36, Blogger Hazamel meint...

Am unsinnigsten fand ich bis jetzt den Antrag den ich 2001 bei der Einreise in die USA ausfüllen musste. "Waren sie Mitglied der Wehrmacht?"

 
At 12 Februar, 2007 15:41, Blogger Mick meint...

@Chemikus: Lol, vielleicht warste ja Mitglied im militanten Arm der jungen Pioniere ;-)
@hazamel: Die haben noch ganz andere Sachen, wie das berühmte: "Wollen Sie einen Bürger der Vereinigten Staaten entführen?" Immer wieder schön.

 
At 12 Februar, 2007 16:20, Blogger Dreadknight meint...

@Mick

Da hätte ich mla "ja" gesagt,um mal zu sehen was passiert ;).

Aber noch viel irrsinniger als diese Fragen sind die Erläuterungen derselben in Betonwanddicken Handbüchern.Da frag ich mich,ob ich wirklich in der Verwaltung fertig lernen soll....

 
At 12 Februar, 2007 20:06, Blogger Aufklärungszentrale meint...

Hast du gewusst, dass Rentenansprüche von vor '45 ungültig sind? Da haste dann wohl auch Pech gehabt.

 
At 12 Februar, 2007 20:26, Blogger Hazamel meint...

@mick: okay, den gabs damals noch nicht.... da stand das WTC ja auch noch 2 Wochen

@dreadknight: Dann wirst du auf eigene Kosten direkt wieder zurückgeschickt oder bekommst nen Anschlußflug nach Guantanamo

 
At 12 Februar, 2007 20:59, Blogger tektonick meint...

Sehr geehrter Herr Schnelle,

in der Überschrift muss es korrekt heißen: Versicherungsvragen. Damit ist Ihr Post ungültig. Bitte senden Sie uns eine korrigierte Version in dreifacher Ausfertigung.

Mit vreundlichen Grüßen,

Ihre Blogpostgenehmigungsbehörde

 
At 12 Februar, 2007 23:07, Blogger Mick meint...

autsch, tut mir sehr leid. Vird nie vieder vorkommen.

 

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