Donnerstag, 8. Februar 2007

Mit Vollgas in die Rente

Es ist schon komisch, wie sich die Gesprächsthemen mit Leuten, die man lange kennt, im Laufe der Jahre wandeln... manchmal nicht zum besseren. Unproblematisch war es so mit 20. Da hat man darüber geredet, was einem Spaß machte. Dann so um die 30 rum änderte sich der Tenor. Die ersten kamen an und zeigten mir Bilder von ihren Blagen, erzählten von den Wonnen der eigenen Familie und dieses ganze Zeug. Hielt ich manche Unterhaltungen damals schon für die Hölle, wird das jetzt noch getoppt: Es gibt tatsächlich Menschen, die sich mit gerade mal 40 schon ausrechnen, wann exakt sie in Rente gehen und wieviel Geld sie dann haben, um den »Lebensabend« zu genießen und darüber auch noch stundenlang schwadronieren. Es ist ja nichts gegen eine vernünftige Zukunftsplanung zu sagen. Aber ich freue mich doch nicht heute schon auf die Rente. Ehrlich gesagt, wäre das für mich der größte Horror. Wieso soll ich aufhören zu arbeiten, nur weil ich 65 oder meinetwegen auch 67 bin? Ich bin doch nicht über Nacht scheintot! Klar, wer gesundheitliche Probleme hat, sollte vielleicht kürzer treten. Vielleicht sollte er aber auch genau das Gegenteil tun. Ich stelle es mir herrlich vor, auch noch mit 95 wilde Debatten in Redaktionskonferenzen über einzelne Wertungen zu führen. Mein Traum wäre der plötzliche Tod mitten in so einer Debatte, dann ein kurzer Nachruf und gut ist. Ich glaube, wer sich mit 40 auf die Rente freut, hat einfach den falschen Beruf. Das habe ich auch so gesagt... und habe dafür nur erstaunte Blicke geerntet. Die hielten mich alle für »unrealistisch«. Greisenpack. Egal, dann freut Euch eben auf den Scheintod, ich nicht!

27 Comments:

At 08 Februar, 2007 09:33, Blogger Deviant meint...

Das stell ich mir ziemlich lustig vor, während einer Wertungskonferenz zu sterben: "93%, das ist mein letztes Wort!" *totumfall*

 
At 08 Februar, 2007 09:40, Blogger Hazamel meint...

Was soll ich denn sagen... -g- ich arbeite bei der Rentenversicherung!

 
At 08 Februar, 2007 09:42, Blogger Mick meint...

lol, denen müsste meine Einstellung doch sehr recht sein :-)

 
At 08 Februar, 2007 09:53, Blogger Hazamel meint...

Optimal wär natürlich, 47 Jahre einzahlen und dann am ersten Tag der Rente tot umkippen ;)

Aber selbst wenn man jeden Tag damit zu tun hat, macht man sich da keine/kaum gedanken drüber. Außer dass man dann doch eher privat vorsorgt ;)

Ich denk auch, dass es ein Unterschied macht, was man arbeitet. In unserer Zeit nimmt ja der Anteil der geistigen Arbeit immer mehr zu und da ist es sicher einfacher länger als 67 zu arbeiten als wenn du mit 67 noch irgendwo auf der Baustelle Kabel ziehen musst und Fliesen durch die Gegend schleppen musst.

 
At 08 Februar, 2007 09:56, Blogger Chernaya Akula meint...

Schlimm, das!
Ich finde es ja schon schlimm genug, dass die Medien mittlerweile flächendeckend propagieren, man müsse sein Geld horten, damit man ab 65/67 richtig leben kann!
WTF?
JETZT leben wäre doch mal was! Was nützt mir de ganze kohle, wenn ich alt und grau bin. Völlig egal welcher Beruf, mit 65 ist man nicht mehr so fit wie mit 25, 35 oder 45!

Nix mehr zu hören von "Lebe Dein Leben, als wenn dieser Tag Dein letzter wär'!"
Heutzutage ist es "Lebe Dein Leben, als wenn in 45 Jahrem Dein letzter Tag wäre!"

Sorry, aber da geht Qualität mal massivst über Quantität!

Life is not going to be a journey to the grave with the intention
of arriving safely, in
a pretty and well preserved body.
I fully intend to skid in
with my shoes on fire, a smile on my face,
thoroughly used up,
totally worn out,
and loudly proclaiming
"WOW!! What a Ride!”

 
At 08 Februar, 2007 10:03, Blogger Mick meint...

wenn es um geistige Arbeit geht, bist Du mit 65 sogar fitter, als mit 25. Allein, was da an Erfahrung zusammenkommt, Sachen, die man einfach kennt, und vor allem geht man deutlich cooler an vermeintliche Katastrophen heran.

 
At 08 Februar, 2007 10:07, Blogger McKenna meint...

Prinzipiell gefällt die Vorstellung eines 95-Jährigen in einer Redaktionskonferenz. Notfalls auch mit "Früher war alles besser."

 
At 08 Februar, 2007 10:07, Blogger Hazamel meint...

Was ich aber grad bei mir in der Software-Entwicklung mitbekomme, ist, dass man Jahrelang an einem Projekt und in einer bestimmten Fachrichtung arbeitet und Neuerungen und Änderungen in einer ganz anderen Richtung gar nicht mehr mitbekommt. Sicher hat man irgendwann x Jahre Erfahrung im Bereich Y aber dafür von Programmiersprache Z keinen Plan mehr.

 
At 08 Februar, 2007 10:24, Blogger Mick meint...

das passiert nur Leuten, die sich mit 40 schon auf die Rente freuen. Die anderen bleiben aktuell, allein schon, weil es Spaß macht.

 
At 08 Februar, 2007 10:26, Blogger Mick meint...

und da man die Anlaufprobleme von Programiersprache Z schon bei Y miterlebt hat, ist man auch noch schneller fit darin :-)

 
At 08 Februar, 2007 10:43, Blogger Hazamel meint...

Ja, schon.... die Logik (oder eben auch nicht-Logik) ist bei den meisten Programmiersprachen die gleiche.
Aber wenn ich von mir ausgehe und mich dann nur ein paar Monate intensiv mit java und seinen Tücken rumgeschlagen hab, oder nur auf einem Datenbanksystem gearbeitet hab, und dann einen Basic-Dialekt vorgesetzt bekomm, scheiterts teilweise schon dran eine Methode aus dem Stand zu schreiben oder ein Objekt zu erzeugen.
Wobei ich noch das Glück habe für eine Groupware zu entwickeln, die alle beide Richtungen verwendet ;)
Aber jemand der die letzten 20 Jahre auf nem Großrechner Cobol programmiert hat, bringst du nicht mal eben OOP in 2 Tagen bei ;)

 
At 08 Februar, 2007 11:04, Blogger Mick meint...

wer 20 Jahre mit Cobol verbracht hat, hat eh was verpasst. Das hat aber nichts mit dem Alter zu tun.

 
At 08 Februar, 2007 11:05, Blogger Hazamel meint...

Tja, wenn's aber noch eingesetzt und gepflegt wird...^^

 
At 08 Februar, 2007 11:45, Anonymous Nillonde meint...

Ich glaube, wer sich mit 40 auf die Rente freut, hat einfach den falschen Beruf

Das sehe ich genauso!
Es ist aber leider wahr das die meisten ihren Beruf nach den Verdienstmöglichkeiten auswählen, und nicht danach was ihnen Spass macht (was ich gar nicht verstehen kann).
Und das sind dann genau die Leute die sich auf die Rente freuen.

 
At 08 Februar, 2007 11:50, Blogger Schlunz meint...

Ich finde auch, daß der Beruf im Optimalfall mehr sein sollte als nur Geldbeschaffung. Und ich bin sehr froh, daß ich als Freiberufler grundsätzlich in Rente gehen kann, wann ich will. Vielleicht will ich mit 65, aber derzeit bin ich sehr erleichtert, daß ich auch bis 70 weitermachen könnte. Denn mir macht's Spaß. Jawohl.

 
At 08 Februar, 2007 13:42, Blogger bd_1979 meint...

Ne also Vorsorge und so ist ja ganz gut aber darüber zu quatschen wenn man erst/schon 40 ist ... nee muss net sein, ausserdem hält arbeit Fit. Und wegen der Softwareentwicklung ist das so eine Sache, wenn man eine Sprache gelernt hat wird der Umstieg auf die nächste nimmer so schwer, "schwer" nur wenn auch die Art sich ändert (sprich von imperativer auf objektorientiert etc.) ... aber wenn man 20 Jahre lang entwickelt hat bringt einen gar nichts mehr um. Aber mit steigendem Alter hat man oft viel Erfahrung aber teils auch "Probleme" schnell sich in andere Sachen einzuarbeiten, aber ich glaub des liegt eher an der Persönlichkeit und eher weniger an einer schwächeren Auffassungsgabe.
Aber wenn ich nimmer Arbeiten würde/dürfte würde mich eh teils an Unis rumtreiben ... es gibt ja so viel was man lernen kann und was interessant ist.

 
At 08 Februar, 2007 13:47, Blogger Mick meint...

eben, und mit der geistigen Fitness ist es wie mit der Körperlichen: Wer immer fleißig denkt, kommt auch nicht aus der Übung. Dazu eine gehörige Portion Neugier und man ist mit 80 noch völlig fit.

 
At 08 Februar, 2007 14:17, Anonymous peter a. tretschler meint...

Den Scheintod schreiben aber auch scheintote Leute mit 'd' und nicht mit 't' am Ende... ;)

 
At 08 Februar, 2007 14:42, Blogger Mick meint...

ups, einer meiner Lieblingsfehler ;-)

 
At 08 Februar, 2007 15:32, Blogger Orinoko meint...

@ Peter: Wieso? "den Scheintod" hat Mick doch völlig korrekt geschrieben im Post (oder schon korrigiert? *g).

@ Mick: Was Nachrufe angeht, so hat der, den Du im Blog eines bekannten Spielemagazins als Gast veröffentlicht hast, deren Redakteuren wohl eine schlimme Schreibblockade eingebracht. Nachdem dort zuvor beinahe täglich gepostet wurde, herrscht jetzt seit acht Tagen betroffenes Schweigen.
Ob die da nun alle über den Zinn des Lebens nachsinnen?

 
At 08 Februar, 2007 15:43, Blogger Kapaun meint...

Hö hö hö....

 
At 08 Februar, 2007 16:35, Blogger Mick meint...

@Orinoko: Peter hatte schon Recht. Ich habe kurzerhand korrigiert.
Keine Ahnung, warum die »faule Bande« da drüben nix mehr schreibt. Wahrscheinlich arbeiten sie mal wieder an spannenden Artikeln fürs Heft. ;-)
@Kapaun: Hö hö zurück ;-)

 
At 08 Februar, 2007 16:57, Blogger PropheT meint...

Selbst in meinem vergleichsweise zarten Alter merkt man wie sich langsam nciht nur das Gesprächsthema verschiebt, sondern wie sich die Artikulation hebt.

 
At 08 Februar, 2007 20:41, Blogger Hazamel meint...

@prophet: und mit zusehendem Alkohol-Konsum schwindet!

 
At 08 Februar, 2007 22:01, Blogger fitzi meint...

Also mein Vater ist Ende 40 und könnte sich vorstellen, in den nächsten fünf bis sechs Jahren seine Pension zu bekommen. Und das, obwohl er Spaß an seinem Job hat. Allerdings kann der spaßigste Job durch Fusionen, Kürzungen an Personal- und Sachmitteln auf Dauer so nervig werden, dass man irgendwann einfach keine Lust mehr hat.

Und seine Rente zu bekommen heißt ja nicht automatisch, Zuhause zu sitzen und Gartenzwerge zu sammeln und den Rasen mit der Nagelschere zu bearbeiten. Auch dann lässt sich noch halbtags oder so arbeiten...

 
At 08 Februar, 2007 22:07, Blogger Chernaya Akula meint...

Wenn es um geistige Arbeit geht, bist Du mit 65 sogar fitter, als mit 25.

Ja, da hast Du recht. Ich hätte mich deutlicher ausdrücken sollen. Ich meinte eigentlich eher die Zeit nach der Arbeit, von der alle reden, bezogen auf die Freizeitgestaltung und so.

Und da ist man mit jungen Jahren einfach noch besser dran. Klar gibt es auch noch superfitte 60-Jährige - die Mehrheit ist aber ab einem gewissen Alter einfach fertig.

Mir tun die armen Schweine leid, die einen Beruf haben, der sie nicht ausfüllt, von dem sie aber Wissen, dass sie ihn auch in 20, 30, oder noch mehr Jahren immer noch haben werden. DAS ist gruselig.

 
At 09 Februar, 2007 11:19, Anonymous Sandor meint...

mick hat recht: Die Welt ist böse.

 

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