Sonntag, 21. Januar 2007

Pinguine an die Macht

In einer Kolonie, ganz in der Nähe des Südpols, lebte einst ein Pinguin namens Frederieke. Ihr Stammplatz befand sich ziemlich am Rand und ab und zu wurde es mächtig kalt. Aber trotzdem beschwerte sich Frederieke nie. Geduldig wartete sie darauf bis es an der Zeit war, daß sie auch mal ins mollige Innere hinein durfte. Doch bis dahin würden noch viele Jahre vergehen.
Eines Nachts erschien ihr eine gute Fee. »Frederieke«, flüsterte sie. »Kleine Rieke, wach auf.«
Etwas unwirsch, denn Frederieke liebte es ganz und gar nicht während der Schlafphase gestört zu werden, öffnete sie ihre Augen. Vor ihr schimmerte ein hell leuchtendes Etwas. Eine kleine Elfe, die einen Zauberstab in der Hand hielt.
»Ist Dir denn nicht kalt, hier am Rand?« fragte die Fee. »Würdest Du nicht auch viel lieber drinnen im Zentrum der Kolonie stehen, wo es wärmer und viel gemütlicher ist?«
Der kleine Kaiserpinguin dachte nach. »Schön wäre es schon, wenn es nicht gar so frostig wäre«, antwortete sie. »Aber wenn ich mal groß bin, bekomme ich sicher einen Platz weiter drinnen.«
»Tja«, meinte die Fee mit einem Achselzucken, »wenn Du so lange warten willst... Hast Du denn gar keinen Ehrgeiz, in der Hackordnung möglichst schnell aufzusteigen?«
Frederieke hatte noch nie von einer Hackordnung gehört. Fragend schaute sie die kleine, ein wenig verschlagen aussehende Fee an.
Und dann erzählte die dem kleinen Pinguin von der Offiziellen Welt-Hackordnung (OWH) mit ihren ganzen Ligen, Unterligen und Kreisverbänden (Frederieke sollte in der Ortsgruppe Antarktika Süd-Süd-West starten), in der sich agile Pinguine um den ersten Platz stritten. Frederieke erfuhr, was sie tun musste, um sich ganz nach oben zu kämpfen.
Die Fee, mittlerweile ihre Managerin, half ihr am Anfang, indem sie die erste Schnabel-Widerhaken-Transplantation bezahlte. Derart optimiert, stürzte sich der einstmals friedfertige Pinguin in rasante und nicht selten blutige Schnabelduelle. Nach den ersten Siegen leckte der clevere Kaiserpinguin Blut - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder steigerte sie sich in einen wahren Hackrausch. Die von ihr veranstalteten Metzeleien riefen besorgte Stimmen im Veranstalterkommitee auf den Plan, die sich weniger »gewalttätige Orgien« wünschten. Da aber die Einschaltquoten stetig stiegen, wurden diese Mahner schnell von ihren Positionen entfernt. Böse Zungen behaupten, einige wären einer Spezialbehandlung der »Metzel-Maid vom Südpol« zum Opfer gefallen.
Währenddessen rüstete Frederieke immer weiter auf. Der Schnabel wurde mit Metalleinlagen versehen, carbonverstärkt und täglich scharf geschliffen. Schon bald besiegte sie Gegner wie den flotten Fridolin, der sich fortan sein Brot als Linux-Maskottchen verdienen musste. Und sogar der coole Cornelius, bisheriger Spitzenreiter hatte Frederieke zu weichen.
Schließlich war sie an der Spitze angelangt. Königin des Hacksports nannte man sie respekt- und angstvoll. Auf einen Platz in der Mitte ihrer alten Kolonie war sie längst nicht mehr angewiesen. Sie besaß zahlreiche Zentralheizungen auf mehreren Kontinenten und ein schickes Mützchen. Doch ab und an sehnte sie sich nach etwas Frische, ein wenig kühlem Luftzug, von dem sie an ihrem alten Stammplatz immer wieder ein wenig abbekommen hatte. Nachdenklich strich sie sich über den rasiermesserscharfen Schnabel. »Quatsch«, sagte ihre Fee. »Du bist der mächtigste Pinguin der Welt und solltest in die Politik.« Und so entschloß sich Frederieke bei den nächsten Präsidentschaftswahlen in Amerika anzutreten, weil es da die besten Klimaanlagen der Welt gibt. Wir wünschen Amerika viel Glück... das Land wird es brauchen.

14 Comments:

At 21 Januar, 2007 20:30, Anonymous Anonym meint...

Die Pointe ist wunderbar. Die Geschichte aber auch ;)

Wär ich Demokrat, würde ich aber Obama wählen.

 
At 21 Januar, 2007 21:14, Anonymous Bärli meint...

Wie bitte? Hillary Clinton/Obama Barack oder dieser Richarson dings da, völlig egal, Hauptsache Politikwechsel......ich glaube ein schwarzer Präsident würde diesem Land nicht schaden.....

 
At 21 Januar, 2007 21:52, Anonymous GreenStorm meint...

dem muss ich zustimmen. ein schwarzer präsident wäre ein fortschritt. jemand vom kaliber eines Kofi Annan...

 
At 21 Januar, 2007 22:24, Blogger Mick meint...

Stop! Falsches Thema! Hier gehts um Pinguine, nicht Hillary Clinton oder son Zeug!

 
At 22 Januar, 2007 00:15, Anonymous Dietmar meint...

@Mick

Pinguine sind ideologisch vorbelastet. Warum schreibst Du nicht mal etwas über, sagen wir, Meerschweinchen.

 
At 22 Januar, 2007 00:34, Blogger Mick meint...

mal sehen, vielleicht erzähle ich demnächst mal von Günther, dem gewalttätigen Koalabären. :-)

 
At 22 Januar, 2007 00:58, Anonymous Dietmar meint...

Koalabären sind okay. Nur an dem Namen "Günther" solltest Du noch arbeiten.
Ich weiß ja nicht, wie es den anderen hier geht, aber beim Namen "Günther" entwickle ich in letzter Zeit Gewaltphantasien. Da geht es mir ähnlich wie Steve Martin in "Tote tragen keine Karos", wenn jemand "cleaning woman" sagt.

 
At 22 Januar, 2007 01:09, Blogger Chernaya Akula meint...

Mich würde ja mal interessieren, wenn die Republikaner aufstellen! Condie? DAS wäre doch was. Hätte zumindest hohen Unterhaltungswert.

Und auf die Gefahr hin, mich wieder (wie unten schon) in die Nesseln zu setzen, aber Kofi Annan?

Das ist doch ein ganz armer Mensch. Was hat er den hingekriegt, bzw. hinkriegen dürfen? Meistens hat ihm doch sein eigener Verein ein Bein gestellt.

Er war immer integer, das war es aber auch schon. An die richtig fiesen Sachen hat er sich nicht rangetraut, bzw. nicht rantrauen dürfen. Inbesondere zu Zeiten der Clinton-Administration war er nur Befehlsempfänger von Washigton. Mit Bush hat sich das wenigstens geändert.

Die grosse UN-Reform hat er nicht durchgekriegt. Ob Ban Ki Moon die allerdings durchkriegt, ist wohl auch fraglich.

Und als er jetzt aus dem Amt schied sah der arme Kerl auch richtig fertig aus.

 
At 22 Januar, 2007 10:04, Blogger Schlunz meint...

Cleaning Woman... CLEAning Woman... CLEANING WOMAAANNN!!

 
At 22 Januar, 2007 10:35, Anonymous Martin Schnelle meint...

"Reinemakefrau" ;)

 
At 22 Januar, 2007 12:26, Anonymous Actionman meint...

Also ich fahre gleich mit der "Immer Esser" und meiner "Reinemakefrau" in Urlaub. :)

Nach ja wir fahren nach Charollta, dort soll es ganz tollen Käse geben.

 
At 23 Januar, 2007 00:00, Blogger Eresthor meint...

@Dietmar:
Geht mir ganz ähnlich, bei dem Namen "Günther" muß ich immer an diesen paranoiden Wolpertinger denken.

 
At 23 Januar, 2007 17:47, Anonymous Martin Schnelle meint...

@eresthor: Der Beckstein kann nichts dafür, ehrlich! Dieser Koala ... ist dämonisch. Und drischt gerne.

 
At 23 Januar, 2007 23:31, Blogger Mick meint...

allerdings, der ist völlig gestört...

 

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