Freitag, 1. Dezember 2006

Geschichten aus der Geschichte: Ich verstehe immer nur Chan

Wer erinnert sich noch an Trevor Chan? Den Chef von Enlight Software. Die haben einige ganz anständige Spiele gemacht, darunter Capitalism und Seven Kingdoms. Und da ich der einzige war, der seinerzeit überhaupt Trevor Chan kannte, sollte ich ihn auf einer E3 (ich glaube es war die von 2000) interviewen. Zugegeben, ich hatte mit Trevor schon in den Jahren davor immer wieder mal Kontakt gehabt, allerdings nur per Email. So gesehen, kannte ich ihn, ohne ihn tatsächlich zu kennen. Ich erscheine also am Messestand, begrüße Mister Chan aus dem fernen Hong Kong und stelle meine erste Frage. Trevor lächelt und beginnt sogleich mit einer langen, weit ausholenden Antwort. Glaube ich zumindest. Denn was ich in den ersten Minuten noch auf den hohen Lärmpegel an dem Messestand geschoben hatte, steigerte sich zum echten Problem: Ich verstand kein Wort von dem, was der gute Trevor von sich gab. Wie sehr viele Asiaten verfiel er in einen schleppenden Singsang, bei dem die Silben und Vokale melodisch ineinander gezogen werden. Was in irgendwelchen Hong-Kong-Klopperfilmen mit Untertiteln nicht stört, wurde hier zum journalistischen Giga-GAU. Zum Glück lief mein Diktiergerät mit. »Frag einfach weiter«, dachte ich mir. »Zu Hause analysierst Du das Kauderwelsch dann schon in aller Ruhe. « Also stellte ich brav meine Fragen und Trevor redete... und redete... und redete. Er war wirklich einer der auskunftsfreudigsten Entwickler, der mir je begegnet ist. Ab und an nickte ich besonnen, lächelte, wenn er lächelte und bedankte mich am Schluß artig für das schöne Interview. Zurück in der Redaktion hörte ich mir das Band an. Nee, nix zu verstehen. Nach wie vor konnte ich dem Sprachbrei keinerlei klaren Worte und schon gar keinen Sinn zuordnen. Ab und an meinte ich, das eine oder andere Wort zu verstehen. Verwarf die Übersetzung gleich wieder, weil Mister Chan garantiert nix von »Gurkengelee« oder »Schwammfischen« gesagt hatte. Doch dann erschien Rettung in Form unserer hochgeschätzten Anzeigenabteilung. Wegen offenkundigen Reklamemangels musste die Seitenzahl des Heftes gekürzt werden. Und leider, leider, so erfuhr ich mit der pflichtschuldigen Trauermiene, war kein Platz mehr für mein Interview. Das Angebot, das Interview zumindest Online zu stellen, lehnte ich mit der Bemerkung: »Ach, bringen wir es doch im nächsten Heft« dankend ab und erwähnte es nie wieder. Bis heute weiß ich nicht, was Trevor Chan mir so alles erzählt hat.

15 Comments:

At 01 Dezember, 2006 14:51, Blogger Falcon meint...

Aber Du bist sicher, wenigstens den echten Trevor Chan erwischt zu haben?
Vielleicht war es doch ein asiatischer Messetourist, der ob der unerwarteten Aufmerksamkeit ausführlich von seinen Hobbies erzählz hat.

 
At 01 Dezember, 2006 16:44, Blogger ich mittendrin meint...

so gut waren seine Spiele ja nicht...

 
At 01 Dezember, 2006 17:14, Blogger Mick meint...

deshalb habe ich ja auch "anständige Spiele" gesagt. Allerdings war Seven Kingdoms 2 doch wirklich sehr gut für seine Zeit. Hatte etliche Sachen, die die anderen später nachgemacht haben.

 
At 01 Dezember, 2006 20:37, Anonymous Typ meint...

jaja so kann´s gehen

 
At 01 Dezember, 2006 20:41, Blogger Dreadknight meint...

Ich hab SK1 gerne gespielt.ar zwar eine grauenhafte Grafik,aber ein nettes Spielprinzip ;)

 
At 01 Dezember, 2006 20:43, Anonymous Nixel meint...

Wie in der Schule.Da wieß man auch nie was der Lehrer grad gesagt hat

 
At 01 Dezember, 2006 20:47, Anonymous Typ meint...

@nixel: stimmt geht mir auch so. wobei ich mach´s immer so: tu so als ob ich zuhör schalt aber trotzdem mein hirn ab
Vorteil: man kann sich im unterricht ausruhen und wird nicht dran genommen
Nachteil: man weiß nix aus der stunde und muss alles daheim lesen

PS: danke für den kürzeren namen

 
At 01 Dezember, 2006 20:49, Anonymous Nixel meint...

Tja du bist halt unauffälig
(Kann ich von mir net behaupten) :-)

 
At 01 Dezember, 2006 20:51, Anonymous Typ meint...

das bringt aber nix in latein , da muss ich auch ran (leider).Und weiß dann meistens nix . Woher das wohl kommt? hehehehe...

 
At 01 Dezember, 2006 20:54, Anonymous Nixel meint...

Und dumm biste auch noch(Eine Fähigkeit die ich auch manchmal einsetzte[nur manchmal ohne Erfolg Warum???])

 
At 01 Dezember, 2006 20:58, Anonymous Typ meint...

Wieso dumm ?
Ich weiß natürlich schon was , in Latein...und anderen Fächern.

 
At 01 Dezember, 2006 21:31, Anonymous der mit dem gnu im schuh meint...

Zum Thema verflossene Worte gibt es noch die Geschichte: Weil die Krankenschwester nur spanisch konnte, weis die Menschheit nicht, was Einstein mit seinen letzten Worte sagte.

 
At 01 Dezember, 2006 21:44, Blogger McKenna meint...

Was für geniale Ideen werden uns entgangen sein ... Das perfekte Spiel ... die großartigste Grafik. Und all das ging verloren, weil Trevor Chan kein vernünftiges Englisch konnte.

Schade eigentlich.

 
At 02 Dezember, 2006 14:18, Blogger GenosseMzK meint...

Hm. Messelärm.
Erinnert mich an die Szene auf der Cebit, da standen die Bühnen von Nvidia und ATI direkt gegenüber. Jeweils mit anhängern. Die einen brüllten: "Ah-Te-Ih!, Ah-Te-Ih!", die anderen: "Enn-ViDia!, Enn-ViDia!", angestachelt und aufgehetzt durch die Messefritzen und die per motioncapturing Synchronisierte Fee am Nvidia-Stand.
Hätt mich nicht gewundert wenn die beiden Firmen ihre Anhänger nach dieser Einstimmungsphase aufeinander gehetzt hätten. Nach dem Motto: "Los, jetzt zeigen wir es diesen Ungläubigen!".
Messen sind seltsam. Und der Lärm noch seltsamer.

 
At 02 Dezember, 2006 21:06, Blogger PropheT meint...

das war nicht herr chan, sondern ein chinesischer agent der den code für die atombomben weitergeben musste bevor der geheimdienst davon wind kriegt...jetzt sind die codes verloren...

 

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