Dienstag, 21. November 2006

Aus aktuellem Anlaß...

... lasse ich mich jetzt mal nicht über die erwartete Reaktion von Politikern aus der zweiten und dritten Reihe zum Thema »Killerspiele« aus. Auch nicht über den erwarteten altbekannten Populismus diversen Medien. Was mich vielmehr verwirrt ist, warum nicht endlich mal die Hersteller selber zu einer ordentlichen Lobbyarbeit zusammenfinden, die diesen irrigen Verbalattacken profilierungssüchtiger Politiker entgegentritt. Denn, daß »Killerspiele« Gewalt produzieren, stimmt ja erwiesenermaßen nicht, wie wir alle, die solche Programme spielen, aus eigener Erfahrung wissen. Nur: Irgendjemand muss das dem Restvolk da draußen auch mal erklären. Jemand, der charismatisch genug ist, um auch Fernsehdiskussions-tauglich zu sein. Jemand, der den platten Argumenten mal eine klar formulierte Gegenmeinung entgegenhalten kann. Aber dazu müssten ja die Hersteller ein einziges Mal an einem Strang ziehen. Tun sie aber nicht, wie der mittlerweile untergegangene VUD seinerzeit bewiesen hat. Stattdessen machen Firmen wie Microsoft einen Rückzieher und bringen Spiele wie Gears of War hierzulande gar nicht erst auf den Markt, weil es keine USK-Freigabe kriegen würde. So etwas ist doch ein indirektes Schuldgeständnis. Stattdessen muß man als Industrie haltlosen Vorurteilen entschlossen und auch sympatisch entgegentreten. Das macht die Zigarettenbranche doch schon seit Jahren erfolgreich vor. Und deren Produkte sind nachweislich schädlich! Doch durch gute Lobbyarbeit und erfolgreiche Werbung haben sie genug Verbraucher und Politiker auf ihrer Seite. Ähnliches gilt für die Automobilbranche. Nur: Diese Branchen arbeiten zusammen, statt gegeneinander. Haben gleiche Interessen, statt sich in kleinstaatlicher Zankerei gegenseitig das Leben schwer zu machen. Also, liebe Industrie: Tut endlich was und das über viele Jahre kontinuierlich hinweg. Fragt dabei nicht nach kosten oder kurzfristigem Nutzen. Nur durch intensive und langjährige Kontakte in die Politik, gezielte Aufklärungskampagnen und viel, viel Lobbyarbeit lässt sich das Image der Branche nachhaltig verbessern. Dann wird auch nicht wieder bei jedem Amoklauf eines verwirrten Idioten gleich nach dem Verbot von Computer- und Videospielen gerufen. Enden möchte ich mit dem leicht abgewandelten Werbeslogan eines Ölmultis (aus einer ebenfalls erfolgreich Lobbyarbeit betreibenden Industrie): Es gibt viel zu tun, packt es endlich an.

32 Comments:

At 21 November, 2006 15:30, Blogger Lucius meint...

gut gebrüllt löwe. *shculterklopf*
der meinung schließ ich mich an.

wetten das da bei frontal 21 in bälde ein bericht über killerspiele kommt?!

 
At 21 November, 2006 15:35, Blogger Knurrunkulus meint...

Ja, so ist es.

Vielleicht haben sie Angst, dadurch endgültig nur noch der schwarze Peter zu sein. Je mehr man sich in die Öffentlichkeit begibt, desto leichter angreifbar wird man auch. Und dazu braucht man Mut.

Meine Meinung zu dem ganzen Mist steht in meinem Blog.

Kannst ja mal vorbeischauen, würde mich freuen.

 
At 21 November, 2006 15:37, Blogger GenosseMzK meint...

Wohl eher:
"Es gibt viel zu tun. Packen wir ein!"

 
At 21 November, 2006 15:48, Anonymous Bärli meint...

Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. Es gibt in Deutschland sehr viele Bauer, die ihren Horizont nicht erweitern wollen.
Ein Skandal ist dieser Jürgen Rüttgers(MinisterPräsident NRW), der die Debatte jetzt ganz offentsichtlich ausnutzt, um von den Problemen seiner Äußerungen zum Thema ALG II, abzulenken.

 
At 21 November, 2006 16:15, Blogger Trommelhirsch meint...

Das unterschreibe ich so wies da steht... Mick for Bundeskanzler!

 
At 21 November, 2006 16:45, Blogger Dreadknight meint...

Ich rege mich auch nicht mehr über Meinungen von drittklassigen Politikern wie ein Hr. Beckstein auf.Sollen sie von mir aus Spiele verbieten,dann hole ich sie mir halt aus dem Inet.

Wobei mir schon bei der Meldung gestern morgen klar war,dass wieder die Computerspiele schuld sind.Die Politiker und Medien sind halt alle sowas von kalkulierbar -.-

 
At 21 November, 2006 17:00, Anonymous Basileus meint...

Aber wennigstens die Medien können auch anders:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,449843,00.html

 
At 21 November, 2006 17:40, Blogger Ufo meint...

Kann ich so nur unterschreiben, Mick.

 
At 21 November, 2006 17:55, Anonymous Nillonde meint...

Wieso wusste ich schon vorher was der neue Eintrag beinhalten würde? :-D
Bin ganz und gar deiner Meinung.

 
At 21 November, 2006 18:02, Anonymous Nillonde meint...

Zusatz:
Aktuelle Telefon-Umfrage auf RTL war zu dem Thema.
Sollen Killer-Spiele verboten werden?

Ergebnis:
72% Ja
28% Nein

 
At 21 November, 2006 18:16, Blogger Dreadknight meint...

@nillonde:

Solche Umfragen sind wie die damals im Stürmer.Erst die Massen aufputuschen und dann sowas starten,das hatten wir in den schlimmsten Jahren schonmal -.-

 
At 21 November, 2006 18:24, Anonymous GreenStorm meint...

Wieso kann man in Österreich die selben Spiele kaufen, teilweise mit mehr Blut, und trotzdem laufen da nicht alle Amok ?

 
At 21 November, 2006 18:59, Blogger Mick meint...

was mich viel mehr stört ist, daß die Hersteller mal wieder den Kopf einziehen, sich wegducken, damit das Weihnachtsgeschäft nicht ruiniert wird. Statt mal kontinuierliche Lobbyarbeit zu leisten!

 
At 21 November, 2006 19:19, Blogger Mick meint...

@marquis: Dir ist schon klar, daß genau solche Postings wie Deiner absolut kontraproduktiv sind. Die werden von der Presse doch herangezogen, um zu beweisen, wie unreflektiert und infantil die "breite Spielermasse" ist. Deshalb habe ich ihn gelöscht.

 
At 21 November, 2006 19:34, Blogger McKenna meint...

Ja, die Sache mit dem VUD ging damals schon an die Nieren, als Ich das lesen musste. Traurig, dass man erst eine Lobby haben muss, um der Wahrheit nachzuhelfen.

Aus aktuellem Anlass habe Ich mich hier mal mit einem Bekannten, der auch als Kommunalpolitiker tätig ist, über diese Problematik ausgetauscht. Und auch ihm fehlt die Lobby zumindest auf Bundes- und Landesebene. Auf kommunaler Ebene könnte der Spieler selbst mit Ratschlägen auftreten. Und unter den PC-Spielern gibt es sicherlich einige charismatische Vertreter, die ihr Hobby gerne vor Politikern vertreten.

Letzteres werde Ich ab heute machen. Und dein Post hier wird mir enorm dabei helfen. Danke.

 
At 21 November, 2006 19:36, Anonymous Marquis de Morieve meint...

Ja natürlich war der Beitrag Kontraproduktiv... Zumindest je nachdem wie man ihn auffasst. Schade, daß die deutschen so wenig Sinn für Sarkasmus haben.
Konstruktiv kann man über das Thema eh nicht diskutieren, denn die Herren in ihren Anzügen biegen sich die Realität schon so zurrecht, daß ihre falschen Ansichten für die meisten Menschen plausibel wirken. Schade nur, daß gerade diese Menschen haufenweise kostenlose medienwirksame Auftritte bekommen, und nicht diejenigen, die über wahre Hintergründe berichten wollen, aber wegen fehlender politischer Karriere nicht angehört werden.

Ach, und nur weil Jay Gee ein böser Mensch war, heisst nicht, daß man keine sarkastischen Witze über ihn und mit ihm machen darf..

 
At 21 November, 2006 19:50, Blogger Mick meint...

@marquis: es geht ja nicht darum, ob der Witz witzig war. Nur glaub mir: Die Fernsehsender warten geradezu auf so ein Statement. Und ruckzuck sind wir alle gewaltgeile Neonazis. Und das ist nicht nur in Deutschland so!
@mckenna: viel glück dabei. Aber ich meinte eigentlich richtige professionelle Lobbyarbeit von Experten. alles andere ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und nein: die meisten PC-Spieler wirken alles andere als charismatisch. (Zähle mich selbst mal dazu) Das muss man auch richtig lernen.

 
At 21 November, 2006 19:51, Blogger Mick meint...

@mckenna: und noch was: Gegen eine Redeprofi hast Du in ner öffentlichen Veranstaltung keine Schnitte. Die wissen genau, wie sie einen dumm dastehen lassen.

 
At 21 November, 2006 20:05, Blogger McKenna meint...

Ich werde auch nicht in Talkshows auftreten. Wäre aber sicher genauso lustig wie verheerend ...

Jep. Lobbyarbeit von Experten auf Bundes- und Landesebene. Kein erwachsener und berufstätiger Mensch setzt sich nach getaner Arbeit in Gremien um ein Hobby zu verteidigen, das er dann nicht mehr ausüben kann. Leider.

Zumindest hier auf kommunaler Ebene kann man etwas reißen, solange man engagiert genug ist. Und ein paar Grundsätze beherrscht. Kleines Beispiel: In diesem Wahlkreis gewann bei der diesjährigen Landtagswahl der Abgeordnete der CDU "nur" deswegen weil er bei einer Podiumsdiskussion AUFSTAND, um zu reden.

Okay, Ich kann viel erzählen. Aber gerade hier, wo Einer den Anderen genau kennt, kann man viel erreichen. Gegen Redeprofis hab Ich keine Chance, stimmt. Aber die gibts hier auch nicht. Hier ist schon charismatisch, wer komplette, fehlerfreie und deutsche Sätze bildet. Hier mag auch eine hohe Meinung zu PC-Spielen nicht viel helfen. Aber es ist ein Anfang.

 
At 21 November, 2006 20:11, Blogger Mick meint...

dann wünsche ich Dir viel Glück und Erfolg. Kannst ja mal berichten, wie es war. ;-)

 
At 21 November, 2006 20:18, Blogger McKenna meint...

Ich werd mir Mühe geben. Und Ich kann beides gebrauchen. Danke.

 
At 21 November, 2006 20:29, Blogger fitzi meint...

Wie wäre es, wenn man das Problem nicht mal von hinten aufrollt? Was bringt einen jungen Menschen dazu, Amok zu laufen? In den Medien werden zwar die Motive erwähnt, allerdings wieder nur am Rande. Die sozialen, existenziellen und emotionalen Probleme der heutigen Jugend scheinen ein viel zu heißes Eisen für die Politiker zu sein. Dass desinterssierte Eltern, Joblosigkeit, Einsamkeit und dergleichen um ein vielfaches Schlimmer, als Spiele sind, darauf kommt niemand! Da schießen wir uns doch lieber alle auf die blöden Killerspiele ein...

Wobei ich ja schon eingestehen muss, dass man durch gewalttätige Spiele auf Ideen kommt, die ein Normalsterblicher nicht hätte...

 
At 21 November, 2006 20:35, Anonymous Dietmar meint...

@mick
Die Zigarettenbranche kannst Du nun wirklich nicht als Vertreter "guter Lobbyarbeit und erfolgreicher Werbung" darstellen. Die befindet sich an allen Fronten auf dem Rückzug.
Pharmabranche, Automobilbau oder Versicherungswirtschaft wären in Deutschland als erfolgreiche Lobbyisten zu nennen.

 
At 21 November, 2006 20:44, Blogger Mick meint...

@dietmar: Doch, denn nach wie vor gibt es keine generellen Rauchverbote in Deutschland. Gerade Deutschland sträubt sich europaweit gegen solche Verbote. Was zum größten Teil auf deren Lobbyarbeit zurückzuführen ist. Und der Konsum geht auch nicht mehr nennenswert zurück. Das Image "Rauchen ist cool" zieht nach wie vor. Eben sehr erfolgreiche Lobby- und auch Werbearbeit.

 
At 21 November, 2006 21:53, Anonymous Typ meint...

@mckenna: Viel Glück!!! Ich hoffe doch stark , dass du das schaffst!!! Das wäre ein Schritt nach vorne!!!
...!!(!)

 
At 21 November, 2006 21:55, Anonymous Marquis de Morieve meint...

Ach, der Staat unternimmt doch nur nicht richtig etwas gegen die Raucher, weil sie fürchten, daß die Steuereinnahmen durch den Tabak sinken..
Immerhin verdient der Staat durch die Tabaksteuer viel mehr als durch die Mehrwertsteuer bei PC Spielen.

Das hat nichts mit irgendeiner Lobby oder Werbung zu tun, sondern ist nur ein gutes Beispiel von Kapitalismus

 
At 21 November, 2006 22:03, Blogger Mick meint...

äh, Kapitalismus ist das gesamte System in dem wir leben. Und das einzig wirklich funktionierende. Natürlich verdient der Staat an der Tabaksteuer. Aber das allein macht die große Akzeptanz ja nicht aus. Das ist schon sehr gute Lobbyarbeit und exzellente Werbung, weil teilweise auch sehr subtil. Dei Tabakindustrie gibt ja schließlich auch genug Geld dafür aus.

 
At 22 November, 2006 01:42, Blogger Uli meint...

Doch, die Zigarettenindustrie ist ein gutes Beispiel. Man sollte den Herrn Bosbach (CDU-Fraktionsvize) doch einfach mal fragen, wann er sich zuletzt öffentlich für ein totales Rauchverbot eingesetzt hat, wo doch nachgewiesenermassen Passivrauchen gesundheitsschädlich ist, also tötet.

 
At 22 November, 2006 11:11, Blogger Melodantrix meint...

Das Problem löst man am besten,
indem man breitere Massen an das Thema heran führt,
und Intresse weckt,
das gieng in den vergangenen Decaden auch ohne echte Lobby recht gut.

Die wollen eh nur malwieder
von einem Unglück Provitieren
und bischen den Mund auf machen.

 
At 23 November, 2006 10:41, Blogger Kapaun meint...

Ich seh das im Prinzip ähnlich wie du, allerdings mit einem etwas anderen Schwerpunkt. Ich bin (ganz unabhängig von der Frage, ob das irgendwelche Matschbirnen zum Killen verleitet oder nicht) zum Beispiel schon auch der Meinung, dass man in Computerspielen nicht jede Scheußlichkeit haben muss - womit ich nicht nur herumfliegende Arme oder Köpfe meine, sondern hin und wieder auch ganze Spieldesigns (wenn ich da etwa an GTA denke).
Ich denke genau wie du, dass es dringend Zeit wird, dass die Industrie sich mal zusammenhockt. Weil sie nämlich ein Problem hat, das sie bisher immer bloß ignoriert - aber das wird nicht mehr lange gutgehen. Imagepflege, PR und Marketing sind da ein Faktor, den es zu verbessern gilt, aber ich denke auch, dass es an der Zeit wäre, mal ernsthaft zu überlegen, ob es wirklich alles geben muss, was es (noch) geben darf...

 
At 23 November, 2006 18:52, Anonymous Tiuri meint...

Wenn es nur um die Extremfälle (was weiß ich, "Manhunt" und Konsorten vielleicht) gehen würde, okay. Dann würde ich eine Diskussion durchaus irgendwo nachvollziehen können. Aber hier werden doch alle Ballerspiele über einen Kam geschert und gleichsam verteufelt. Ein "Killerspiele"-Verbot müsste in der Konsequenz tatsächlich das Verbot fast aller Ego-Shooter bedeuten - ich sehe da wahrlich keinen Sinn drin.

Lustig finde ich dass immer wieder "Counter-Strike" als Beispiel herangezogen wird, wohl so ziemlich der bekannteste und weltweilt beliebteste Taktik-Shooter am PC. Ich frage mich ob es außer Deutschland noch ein anderes Land gibt das dieses Game in die "Killerspiel"-Ecke drängt.

Na ja, letztlich ergibt dieses angestrebte "Killerspiele"-Verbot sowieso keinen Sinn - oder finden in unseren diesbezüglich Gott sei Dank viel liberaleren Nachbarländern etwa ungleich mehr Amokläufe statt, weil dort solche Spiele überall ohne Probleme zu kaufen sind? I don't think so...

Gruß,
Thommy

 
At 23 November, 2006 20:23, Blogger Kapaun meint...

Es geht auch nicht so sehr darum, ob es einen Sinn ergibt. Natürlich wäre das in erster Linie mal bloß eine schnelle Aktion der Politiker, um Handlungsbereitschaft zu demonstrieren.

Dass Dumme dran ist, dass es die Branche früher oder später treffen wird (wahrscheinlich eher früher als später), wenn nichts passiert. Also ist es hochgradig sinnvoll, sich mal zusammen zu überlegen, was man alles tun kann...

 

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