Dienstag, 17. Oktober 2006

Von Deppen, Apostrophen und unwirschen Kellnern

Daß guter Service und freundliche Bedienung in München selten sind, ist leider eine traurige Wahrheit. Heute dachte ich mir: Geh ins Kino und vorher vielleicht noch was Leckeres essen. Da der Film nur im Mathäser lief (für die München Unkundigen: immer gerammelt volles Multiplex-Kino ohne jeden Charme), entschieden wir uns für das direkt darunter gelegene Restaurant von Herrn Eisgruber. Wie stand auf seiner Homepage so schön zu Lesen: »Die warmen Farben der Eisgruber-Gastronomie sorgen für ein angenehmes Ambiente, die gemütlichen Holzmöbel im gediegenen eleganten Design laden zum Relaxen und Genießen ein.« Okay, daß das mit dem Genießen nicht stimmt, wusste ich bereits. Das Essen dort hat Microwellen-Fertiggericht-Niveau. Aber dafür liegt's eben nah am Kino. Draußen erwische ich tatsächlich noch einen Platz. Dachte ich zumindest. Denn plötzlich kommt der unwirsch aussehende Kellner, knallt einen zerknitterten Quittungszettel auf denTisch, auf dem irgendwas Unleserliches mit Kulli gekritzelt steht und sagt: »Weg hier, ist reserviert.« Na, unter angenehmem Ambiente« stelle ich mir etwas anderes vor. Aber gut, ich habe Hunger, geben wir Herrn Eisgruber und seinem unfreundlichen Pack noch eine Chance. Drinnen erwische ich den letzten freien Tisch. Okay, eigentlich ist es nur eine winzige viereckige Platte, die auch noch direkt vor der Küche liegt. Es ist unangenehm warm und stickig. Plötzlich nähert sich eine Psychopathin von neun Uhr. Zumindest glaube ich das. Denn die Gute starrt mich einfach nur an und rührt sich sonst nicht. Ich zähle langsam bis zehn. als sie sich dann immer noch jeder Bewegung verweigert, sage ich kurz und knapp: »Die Karte«. Das »bitte« erspare ich mir einfach mal. Zuerst reagiert sie wieder nicht. Doch dann greift sie unwirsch auf den Nachbartisch und zerrt (ohne einen der Menschen, die da sitzen zu fragen) die Karte herunter und knallt sie mir unter die Nase. Immerhin hatte ich dann ausreichend Zeit, den grausamen Englisch-Deutschen-Buchstabenmix mit bayerischen Einsprengseln zu studieren. Denn eine gute Viertelstunde passierte nichts mehr. Die gute Frau ignorierte jeden Bestellversuch. Tja, dann eben nicht. Offensichtlich geht es der deutschen Gastronomie viel zu gut. Auf Kunden sind die jedenfalls nicht angewiesen. Ach ja: Lieber Herr Eisgruber, ein kleiner Hinweis noch zu Ihrem Firmenlogo: Der Genitiv im Deutschen wird ohne Deppenapostroph gebildet!

26 Comments:

At 18 Oktober, 2006 01:09, Anonymous Anonym meint...

In Paris gab es mal eine Kneipe namens "La vieille culotte" (oder so ähnlich), die dafür berühmt war, dass die Kellner die Gäste extraschlecht behandelten, beleidigten etc.

 
At 18 Oktober, 2006 04:46, Blogger Chernaya Akula meint...

Soweit ich weiss, bedeutet "culotte" zumindest im modernen Französich "Unterhose" - was darf man dann noch erwarten... Wobei, unfreundliche Franzosen - was ist denn daran neu? ;-)

Ja, ich weiss, eigentlich sind damit Kniebundhosen und ausgwiesese nicht-Träger derselben aus Revolutionszeiten gemeint. Fand diesen Einwurf trotzdem irgendwie lustig...

@topic: Mick in Gefahr! Nicht nur Spielekritiker, jetzt auch noch Restaurantkritiker. Respekt!

Mit dem Genitiv ist das so'ne Sache. Mir ist aufgefallen, dass er eigentlich sogar viel häufiger vorkommt als der Dativ... warum stirbt also letzterer nicht aus?
Aber im Fernsehen kriegen sie ihn auch nich hin.

Ein bi?chen on-topic: In Göttingen gibt es ein Freizeit In. Das ist neulich renoviert worden. Leider haben sie es dennoch versäumt, dem InN das zweite N zu verpassen. Das arme - ganz alleine....

 
At 18 Oktober, 2006 07:53, Anonymous Kevin meint...

Man man man Mick, was du da erzählst klingt ja schrecklich. Und das schlimmste, dieses eckelhafte Apostroph, ich kanns nichtmehr sehen, es graut mich schon in anderen Sprachen dauernd irgendwo noch einen Strich hinschmeißen zu müssen, das muss man doch nicht auch bei uns einführen. Aufjedenfall spricht da eigentlich nichts für Eisgrubers. Respekt das du denen nach der Sache mit dieser Quittung noch eine Chance gegeben hast, ich hätte da schon das weiter gesucht, ist doch nicht normal. Bei uns hier in Berlin wo ich war, da wurde ich bisher zumindest immer freundlich behandelt.

 
At 18 Oktober, 2006 09:00, Blogger Mick meint...

@chernaya: ja, im grammatikalisch korrekt formuliertem Deutsch, hat der Genitiv seinen festen Platz. Im Fernsehen weniger... Aber wie formulierte der Kollege Bastian Sick so schön: »Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.« Und wahrscheinlich hat er damit recht.
@Kevin: Gibt's die Bande auch in Berlin? Tja, die schlechten breiten sich eben aus. ;-)

 
At 18 Oktober, 2006 09:19, Blogger Falcon meint...

@Mick: Die Guten werden trotzdem gewinnen. Irgendwann, wenigstens.
Ich bewundere da ja Deine Geduld. Schlechtes Benehmen oder Ignoranz seitens der Bedienung (da steckt schließlich das Wörtchen "dienen" drin) führt bei mir zum sofortigen Verlassen der Lokalität.
Je nach Lage tangiert das die Inhaber zwar wenig bis gar nicht ("Wenn Sie mich nicht bedienen wollen, will ich hier auch nichts bestellen!" "Tja, da kann man wohl nichts machen. That's life" - Originalzitat Inhaber eines Berliner Cafés), aber ich hab dann wenigstens hinterher nicht auch noch das Gefühl, dass ich mein Geld besser hätte verbrennen sollen.

 
At 18 Oktober, 2006 09:35, Anonymous Kevin meint...

@Mick
Na schön wärs, zum Glück hab ich den Laden hier noch nicht endtecken können, werden also wohl doch noch in München bleiben erstmal.^^ Hier haben wir alles, aber kein Eisgrubers und nach deinem Bericht hoffe ich das es so bleibt. Man kann zwar nicht wissen, ob nicht die dann hier voll nett wären, aber Sony ist ja auch überall auf der Welt, ausser in Japan, Mist (ist im Bezug zur PSP gemeint^^).

Ps.Ja am Ende werden die Guten gewinnen!

 
At 18 Oktober, 2006 10:34, Blogger die_mit_der_dampflok meint...

Fehlt ja nur noch, dass dich die Kellner duzen. Da bekomme ich regelmäßig einen Anfall, wenn mich Bahnticketverkäufer oder Postfilialmitarbeiter einfach duzen. Service und Kundenfreundlichkeit ist in Deutschland leider verboten und ich erschrecke jedes Mal, wenn ich im tiefsten Provinzdorf Schaitsee den EDEKA-Laden betrete und dort persönlich von den Mitarbeitern gegrüßt werde (dem Kunden in die Augen sehen, freundlich lächeln und "Guten Tag" sagen)

 
At 18 Oktober, 2006 11:12, Blogger Mick meint...

oh ja, da kann ich auch knatschig werden. Wenn mich einer duzt, lächle ich und frage höflich: »Haben wir irgendwann mal zusammen geknickert?«

 
At 18 Oktober, 2006 11:47, Anonymous wenn schon klugscheißen, dann bitte korrekt ;-) meint...

Hast Du (Darf ich Du sagen? Interessant, wieviele Menschen sich heutzutage noch darüber aufregen, wenn sie geduzt werden. Man soll das Leben ja auch nicht zu locker nehmen...) das Buch vom Sick wirklich gelesen? Dann hätte Dir folgender Satz eigentlich nicht entgangen sein dürfen:
"Der Apostroph kann dort gesetzt werden, wo jemand ein Gewerbe eröffnen und dazu ein Schild mit Genitiv anbringen will".
Siehe hier.

Ich persönlich ekele mich ja auch vor Verunstaltungen wie "eckelhaft". ;-)

Nebenbei: "Culotte" wird heute fast ausschließlich zur Bezeichnung von Damenunterhosen verwendet, und außerhalb von Paris sind die Franzosen häufig sehr freundliche und aufgeschlossene Menschen!

 
At 18 Oktober, 2006 14:39, Blogger Trabbi meint...

Ein weiser Freund, seines Zeichens Urmünchner, hat mir einmal mitgeteilt: Eine Bedienung gilt in München als freundlich, solange sie nicht handgreiflich wird.

Scheint immer noch zu stimmen...

 
At 18 Oktober, 2006 16:24, Blogger McKenna meint...

Ein Gang durch die Innenstadt und die Blödelapostroph´s (höhö) zählen. Bei 89 aufgehört. Und das bei einer Kleinstadt.

 
At 18 Oktober, 2006 18:29, Blogger Chernaya Akula meint...

@wenn schon klugscheißen, dann bitte korrekt ;-)

War ja auch nur mit nem Augenzwinkern gemeint...

Mittlerweile habe ich nix mehr gegen Franzosen. Vor einigen Jahren hat eine gewisse Lehrerin dafür gesorgt, dass alles nur entfernt französisch klingende strikt boykottiert wurde. Glücklicherweise hat sich das geändert.

 
At 18 Oktober, 2006 18:38, Anonymous Taurus meint...

@klugscheißer
Interessanter Link, ich hatte auch in Erinnerung, dass der Apostroph bei Geschäfts- und Gewerbenamen eben doch korrekt ist.

Manche hier scheinen es aber immer noch nicht zu merken. Wer ist also am Ende der Blödel? ;-)

Aber hauptsache, man kann sich schlauer fühlen als der ungebildete "Pöbel"... seufz.

 
At 18 Oktober, 2006 19:09, Blogger RasPutina meint...

hmm... schreibt man das denn nicht eigentlich Ei'sgruber's?

(sorry ich kanns nicht lassen) ^^

 
At 18 Oktober, 2006 22:40, Blogger Mick meint...

@alle klugscheißer: Mir ist egal, was der Duden mittlerweile alles an Nachlässigkeiten durchgehen läßt. Falsch ist und bleibt es trotzdem.
@r'a's'p'u't'i'n'a: ja, hast recht. ;-)

 
At 19 Oktober, 2006 10:39, Blogger Kapaun meint...

Ja, das ist die richtige Einstellung! Die hab ich auch. Völlig wurscht, auf welche perversen Arten und Weisen der Duden mittlerweile "Science Fiction" schreiben will (ich mag das hier gar nicht wiedergeben), es wird so geschrieben: Science Fiction! Und die Abkürzung ist "SF", nicht jedoch "Sci-Fi" oder ähnlicher Quatsch...

 
At 19 Oktober, 2006 11:32, Blogger Mick meint...

ah Kapaun, Bruder im Geiste :-)

 
At 19 Oktober, 2006 13:22, Anonymous Taurus meint...

Ihr könntet euch ja gemeinsam irgendwo veschanzen und ein eigenes Land aufmachen, wo man so schreibt, wie es EUCH gefällt, und wo ihr entscheidet, wer mitspielen darf und wer nicht.

Nein, ernsthaft:
Man muss ja nun wirklich nicht alles mitmachen und gut finden, aber die Verhältnismäßigkeit sollte schon gewahrt bleiben, sonst wird aus dem Freigeist schnell ein Kleingeist...

 
At 19 Oktober, 2006 13:36, Blogger Mick meint...

Nein! Rechtschreibung ist keine Sache die man relativieren kann. Etwas ist entweder richtig oder falsch. Ich sehe absolut keinen Sinn darin, die Sprache dem sinkenden Bildungsniveau anzupassen! Die Schlechtschreib-Reform ist schon schlimm genug.

 
At 19 Oktober, 2006 15:00, Anonymous Taurus meint...

Naja, eine weitere Rechtschreibreform-Diskussion muss es wirklich nicht geben, aber ich halte viele Änderungen für sinnvoll. Das hat nichts mit sinkendem Bildungsniveau zu tun, genauso wenig wie bei den Reformen der Vergangenheit, die dafür gesorgt haben, dass wir heute nicht mehr so schreiben wie vor 400 Jahren.
Vor diesem Hintergrund erscheint es mir auch als sehr subjektiv, was Du persönlich für richtig oder falsch hältst.

Und eine Diskussion nur deswegen zu führen, um sich im eigenen, gehobenen Bildungsniveau suhlen zu können, bringt auch niemanden weiter.

 
At 19 Oktober, 2006 15:57, Blogger Mick meint...

wir aind so ziemlich das einzige Volk, das ständig seine Rechtschreibung anpasst. Dumm oder? Und mal ehrlich: Was ich in meinem Blog diskutiere, ist meine Sache!

 
At 19 Oktober, 2006 19:26, Anonymous Taurus meint...

Klar ist das Deine Sache.

Wenn Du nicht möchtest, dass man Deine Beiträge kommentiert und dabei evtl. eine andere Meinung vertritt, dann schalte doch einfach die Kommentarfunktion ab.

Ich werde mich jedenfalls nicht dafür entschuldigen, dass ich es peinlich finde sich daran hochzuziehen, dass andere vermeintlich weniger gebildet sind als man selbst. Noch dazu, wenn diese rein formal korrekt handeln!

btw: Die letzte Rechtschreibreform liegt über 100 Jahre zurück. So viel zu "ständig"...

Aber das sollte jetzt trotz mangelnder Souveränität ;-) nicht aus dem Ruder geraten.
Bis auf ein Paar Einträge (z.B. über die Wetterfee) ist Dein Blog recht amüsant, sonst wäre ich ja wohl kaum hier... :-)

 
At 19 Oktober, 2006 23:02, Blogger Mick meint...

ich habe kein Problem damit ,wenn jemand ne andere Meinung vertritt. Aber Du sprichst mir das Recht ab, hier zu diskutieren was ich will. Oder wie soll ich Sätze wie diesen sonst verstehen? "Und eine Diskussion nur deswegen zu führen, um sich im eigenen, gehobenen Bildungsniveau suhlen zu können, bringt auch niemanden weiter."
Und die letzte Rechtschreibreform liegt keineswegs 100 Jahre zurück. die dudenredaktion hat über die Jahre immer wieder (und in den letzten 20 Jahren in immer kürzeren Abständen) "Korrekturen" gemacht. Zum Beispiel daß der Genitiv durch das Abrutschen auf den vierten Fall degradiert und der Dativ damit gestärklt wurde, nur weil viele Leute falsch gesprochen haben. In den letzten Jahren war es stets so, daß nur genug Leute lange genug falsch sprechen und schreiben mussten, damit es im Nachhinein im Duden "legalisiert" wurde. So pflegt man keine Sprache, sondern kanibalisiert sie nur. Andere Völker auf dieser Welt tun das nicht, definieren sich sogar über ihre Sprache. Vergleich mal die verschiedenen Ausgaben von Webster's Dictionary (hier ist der Apostroph selbstverständlich gerechtfertigt). Da gibt's kaum Veränderungen. Das ist eine typische Deutsche Nachkriegseigenschaft, alles immer möglichst am schwächsten glied der Kette zu orientieren. Ein Thomas Mann liest sich heute nur deshalb "komisch", weil er eben die Sprache pflegt und kunstvoll einsetzt.

 
At 20 Oktober, 2006 13:46, Anonymous Taurus meint...

Nicht doch, "in dieser Form bringt diese Diskussion niemanden weiter" und "beende bitte diese Diskussion" sind doch meilenweit voneinander entfernt, vorallem weil die Betonung auf "in dieser Form" liegt.

Auch wenn ich Dir zustimme, dass man sich nicht "am schwächsten Glied" orientieren sollte, halte ich eine natürliche Entwicklung und Erweiterung der Sprache nicht für verwerflich.

Was mir aber hier etwas aufgestoßen ist (und damit war nichtmal unbedingt Dein ursprünglicher Beitrag, sondern die Kommentare u.a. einiger Leser gemeint), war der Eindruck, dass versucht wurde sich über die scheinbar mangelnde Bildung von anderen zu profilieren, noch dazu wenn sich diese an geltende Rechtschreibregeln halten.

Klar nervt die falsche Verwendung des Apostroph auch mich, aber bei Firmenschildern, die vielleicht sogar ans Englische angelehnt sind ("Icegruber's" ;-), ist es mir persönlich relativ egal.
Das hat für mich eben nichts mit Deppen oder Blödeln zu tun.

Zum eigentlichen Beitrag:
Ich bin ja selbst sehr geduldig, aber ich glaube alleine das "Weg hier!" hätte für mich schon gelangt.
Ich frage mich ja, was sich solche Leute (bei all dem Stress, den sie sicherlich haben, und den z.T. vermutlich auch unverschämten Gästen) dabei denken. Ob die wohl privat auch solche Stinkstiefel sind?

 
At 20 Oktober, 2006 13:52, Anonymous Taurus meint...

Ach ja, was mir noch gerade einfällt:
"Ich kanns nicht lassen" ist auch erst seit der letzten Reform korrekt (früher musste der Apostroph gesetzt werden, also "kann's").

Ist das für Dich bzw. die Verfasserin dann auch falsch?

 
At 20 Oktober, 2006 14:40, Blogger Mick meint...

natürlich. die gesamte Rechtschreibreform ist Murks. Verwende stattdessen einfach die alte Rechtschreibung.
Zum Thema bildung: Mir geht es nicht darum, anderen mangelnde Bildung vorzuwerfen. Wer sich nicht um die eigene Bildung kümmert, ist eben selber Schuld. Nur sollte man diese Nachlässigkeiten nicht auch noch legalisieren. Und Amerikanismen sind mir sowieso verhasst. Aber Du hast recht: Lassen wir das und wenden uns spannenderen Themen zu. :-)

 

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