Montag, 25. September 2006

Mick und Nick

Englische Presseleute sind immer etwas ganz besonderes. Allesamt trinkfest und meist sehr unterhaltsam. Einen ganz besonderen Stellenwert hatte in unserer kleinen Branche immer Nick aus London. Der war ein sehr fröhlicher und freundlicher Mensch, lachte viel und redete pausenlos ... nur verstand man kein Wort von dem was der gute Nick so von sich gab. Die Legende sagt, daß nicht mal sein eigener Chef den Nord-Londoner-Akzent in klar verständliche Sätze umwandeln konnte. Das war aber kein Problem: Nick plauderte meist fröhlich, ich grinste und nickte ab und an verstehend und am Schluß ließ er dann stets eine CD (ach nee, das waren ja noch Disketten) samt Pressemitteilung da, auf der ich mir dann durchgelesen habe, was Nick eigentlich gewollt hatte. Tja, alles war gut, bis zu dem Abend, an dem ich mit Nick in einer Hotelbar Zeit totschlagen musste... jede Menge Zeit...
Da wir kein Computerspiel hatten ,das er mir zeigen konnte, wurde das Gespräch schon nach kurzer Zeit sehr bemüht... und drohte schließlich ganz zu versanden. Die Rettung war ein Fernseher, auf dem irgendwelcher englischer Fußball lief. Plötzlich hatte Nick wieder ein Thema und ich lauschte gebannt, während ich ein Guiness nach dem anderen in mich reinschüttete. Und dann geschah es.. so nach dem dritten oder vierten begannen seine Worte plötzlich Sinn zu ergeben. Ich ertappte mich dabei, wie ich auf seine genuschelten Sätze ähnlich genuschelte Kommentare erwiderte. Und Nick schien tatsächlich zu verstehen, was ich meinte. Obwohl mir das selber nicht klar war.. habe ja von englischem Fußball keine Ahnung. Aber damals habe ich endlich verstanden, was Alkohol und Fußball für die Völkerverständigung tun. Ach ja, am nächsten Morgen hatte ich einen tierischen Kater und keine Ahnung mehr, welch spannende Geheimnisse des Brit-Soccers mir Nick am Vorabend verraten hatte. Wollte nachfragen, aber ohne den passenden Alkoholpegel war die schöne Völkerverständigung wieder dahin... Was er wohl heute mach? Vielleicht arbeitet er als Simultan-Dolmetscher...

5 Comments:

At 25 September, 2006 16:32, Blogger Mr. Lennox meint...

Kilkenny. Heisser Tip für englisches Bier ist Kilkenny.

Aber zum Thema. Kann mich dem nur anschließen. Habe selber bereits solche Situationen erlebt, in denen der Dunst des Bieres den Schleier der Völkerverständigung hebt. (nur um dann nachher den Vorhang des Morgens brutal fallen zu lassen)

Ich tippe auf eine eigene Sprache. Wahrscheinlich wird man durch Alkoholkonsum viel empfänglicher für Mimik und Gestik. :)

 
At 25 September, 2006 16:37, Blogger McKenna meint...

Seltsam, genauso ergeht es mir mit den bayrischen Renten-Touisten an der Ostsee. Da muss man auch erst an 2 Promille ran, um dieses (Was ist das eigentlich? Ein Rauschen? Ein Slow-Motion-Keckern? Der Teil, der Evolution, den Ich nicht verstehe?) "etwas" entziffern zu können.
Nebenwirkungen:
Kater
Vergessen, was man verstanden hat

 
At 25 September, 2006 17:19, Blogger Jens meint...

Hehe, das kommt mir sehr bekannt vor. *g*
Einige britische Akzente hören sich sehr lustig an, ich versteh sie allerdings nur schlecht oder gar nicht - was weniger lustig ist.
Nach ein paar Bier ändert sich das aber immer. Fasziniert mich auch immer wieder. :D

 
At 25 September, 2006 22:43, Blogger fitzi meint...

Oh, das erinnert mich an meine Abschlussfahrt nach Frankreich in der 12. Als wir eines abends am Strand saßen und in geselliger Runde Wein tranken, stieß eine Gruppe französischer Akademiker oder Architekten (das konnte ich nicht ganz übersetzen) ebenfalls auf Abschlussreise zu uns. Die haben allerdings keinen Wein, sondern Weinbrand getrunken. Nach einem Stündchen hab ich trotz meines Schulfranzösischs die schnellredenden Franzosen verstanden... Das war ein ganz schön lustiger Abend.

 
At 26 September, 2006 00:10, Blogger UltraBreytenBreytenbach meint...

Ist sicher nur für eine Minderheit von Belang, aber: sicher hat Mick Schnelle den einen oder anderen Kontakt zu den englischen Medienleuten, den ich nicht habe, aber da in diesem Blog schon mehrmals diese Leute angesprochen wurden: ja, volle Zustimmung, die englischen Medien sind immer noch eine Klasse für sich, mit ihrem Witz und trotz ihrer Marotten. Allein die WM-Berichterstattung des Guardian könnte man so niemals in, ähm, konzeptionell konservativen Zeitungen wie der Frankfurter Rundschau niemals lesen. Und worauf haben deutsche Redakteurskoryphäen in den achtziger Jahren geschielt? Englische Spielemagazine! Verzeihen muss man dem Chauvinismus der Massenmedien dort (Beispiel: Musikmagazin bescheinigt zwei deutschen Gruppen gute Alben gemacht zu haben, gibt aber schlechte Noten weil sie DEUTSCH sind) freilich trotzdem nicht.

 

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