Sonntag, 9. Juli 2006

Tod eines Händlers

Axel Böckem ist tot! Ja, ich weiß, das klingt jetzt ein wenig nach "Karl Ranseier ist tot". Nur gibt, oder besser, gab es Axel Böckem wirklich. Freundliche Seelen würden ihn als »Tausendsassa« bezeichnen, weniger nett gestimmte Geister (von denen es deutlich mehr gibt) nennen ihn einen »Hallodri«. Unbestreitbar ist, daß Axel Böckem Computerhändler war und einer der ersten, bei dem man Ataris in Hagen kaufen konnte. Axels Spezialgebiet waren, nun nennen wir sie »kreative Deals«, bei denen auf Wunsch Sondergarantien ausgehandelt wurde, die dann handschriftlich auf der Rechnung auftauchten. So erhielt ich einmal auf einen gebrauchten Drucker stolze zwei Jahre Garantie, Axel-Garantie wohlgemerkt. Was die wert war, musste eine Freundin von mir mal erfahren, als sie ihren Atari ST nach vier Wochen umtauschen wollte, Floppy im Eimer. Axel weigerte sich mit dem kreativen Argument, sie hätte ja auch keine Atari-zertifizierten Kopierprogramme benutzt. Daraufhin erklärte ihm meine, etwas rabiat veranlagte, Freundin, wie sie ihm seine Nase zertifizieren würde, wenn er den Rechner nicht umtauschen würde. War echt zum Brüllen, aber der Mann gab sich der weiblichen Gewalt geschlagen. Später machte Axel immer wieder im großen Stile von sich reden. Zuletzt als ich Hagen verließ. Da wurde er gerade aus dem Golfclub geschmissen, weil er in Hausfrauenpornos mitgespielt hatte. Tja, und selbst im Tod ist Axel immer noch für Publicity gut. Denn die Umstände seines Ablebens sind laut Polizeiangaben »ungeklärt«, es wird ermittelt. Da wird er nicht wieder mal mit jemandem eine kreative Auseinandersetzung gehabt haben? Und Axel selbst? Der steht jetzt garantiert vor dem Himmelstor und handelt mit Petrus einen besonders kreativen Sündenerlaß aus. Ich werde jedenfalls für Axel eine 3,5-Zoll-Diskette verbrennen. Dabei fällt mir ein, daß ich meine liebe Freundin von damals schon eine Weile nicht mehr angerufen habe. Hmm, heute wäre dafür eigentlich ein guter Abend. So hat Axel im Tod doch noch was Gutes.

17 Comments:

At 10 Juli, 2006 08:11, Blogger ich mittendrin meint...

gut mick ruf die an da du ja schon die PR Dame versetzt hast

 
At 10 Juli, 2006 10:08, Blogger Falcon meint...

Jemand, der Ataris verkauft, kann ja schon mal nicht von Grund auf schlecht sein.
Vielleicht hat der arme Kerl einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gelebt.
Eine Biographie, die jemand in den 90ern noch in Verruf gebracht hat, wäre heute vermutlich ein sicherer Garant für einen Stammplatz in diversen Talkshows.

 
At 10 Juli, 2006 10:18, Blogger McKenna meint...

Ein Amen für Axel Böckem.
Möge er im Paradies auch Ataris verkaufen, im Golfclub spielen und in Hausfrau ... äh ... naja.
Und wer weiß - das Prinzip von Wiedergeburten wurde nie widerlegt.

 
At 10 Juli, 2006 13:12, Blogger Mick meint...

@mckenna: Davor bewahre uns der Herr!!!

 
At 11 Juli, 2006 18:36, Anonymous Anonym meint...

Hat mir irgendwie Leid getan, als ich's hörte.
Habe während meines Studiums oft bei ihm gejobbt (verkauft, repariert...) Manchmal hätte ich ihm die Fresse polieren können, dann war er wieder grosszügig. Eine merkwürdige Type. Ich glaube, er war ziemlich einsam da seine Familie (so meine letzten, schon seeeehr weit entfernten Kenntnisse) nix mehr mit ihm zu tun haben wollten.

Er wollte eigentlich 100 werden.... hat er immer gesagt.

 
At 13 Juli, 2006 13:46, Blogger Trabbi meint...

... neben hans richter (mein erster computerkurs am c64 im jugendzentrum) einer der großen aus der atari & amiga zeit hier in unserer gegend...
danach kam dann helmut sulberg, von dem laden ist aber auch nur noch ein rest als lennecom in delstern zu finden...

 
At 15 Juli, 2006 19:29, Blogger Mick meint...

@anonym: Ja, der war echt merkwürdig. Allerdings habe ich ihn zu wenig gekannt, um mir ein echtes bild machen zu können. Fand das Ganze nur sehr skurill.
@trabbi: Ja, ja, die guten alten Zeiten. Lang ist's her...

 
At 08 August, 2006 22:44, Anonymous Anonym meint...

hatte den laden lennecom nicht zuletzt ein älterer herr aus bochum?

 
At 17 November, 2006 14:43, Anonymous Anonym meint...

Hab sowohl für Hans Richter und Axel Böckem gearbeitet.

Man kann sagen was man will, trotz allen "Macken" konnte man doch sehr gut mit ihm auskommen und ich erinnere mich gerne an die alte Zeit!
Er war halt Geschäftsmann und wollte aus allem Gewinn machen - kann man ihm das übel nehmen? Ich denke sein Service, was Reparaturen anging konnte sich im Gegensatz zu den meisten "GeilGeiz" Händlern & Co. von heute durchaus sehen lassen. Da musste man nicht Wochenlang auf die Reparatur warten.

Na ja, er hat zumindest dafür gesorgt dass man die ein oder andere Anekdote zum besten geben kann. (Ex-Kollegen werden jetzt ein Schmunzeln auf den Lippen haben!)
Auch der Helmut Sulberg hat ja bei Axel gearbeitet, sowie Axel Vetter, der heute RTL-Shop Moderator ist, hat dort mal klein angefangen.

Ich denke seine Kinder haben Ihm alles bedeutet und dann, als sein Atari-Imperium irgendwann zusammengebrochen ist und er sozial abgerutscht ist, hat sich seine Familie von ihm abgewendet... Das hat ihm sicherlich den Rest gegeben. Kein Wunder für mich, das er als verbitterter Knötterkopp seinen Lebensabend verbracht hat.

Schade das es jetzt zu spät ist ihm für die schöne Atari-Zeit zu danken...
Na trotzdem: DANKE Axel!

Franky

 
At 28 November, 2006 21:17, Anonymous Axel Vetter meint...

Axel Böckem war ein Hitzkopf, hatte aber auch großzügige Momente. Ich arbeitete ca. zwei Jahre dort, nachdem ich bei ihm Ende der Achtziger meine erste Festplatte gekauft hatte, eine Atari Megafile 30. Die war nach einer Woche kaputt, Böckem tauschte sie anstandslos aus.

Es missfiel mir häufig, wie er mit den Kunden umsprang. Die hatten generell nie Recht, so schaffte man keine Stammkunden. Anfangs konnte Böckem sich das leisten, weil bis zu 50 Atari ST auf der Warteliste standen, aber als dann die Großmärkte billiger waren, ging's bergab. Ich verließ den Laden, nachdem ich mal wieder grundlos angepfiffen wurde, und arbeitete einige Monate bei Helmut Sulberg, der sein Geschäft gerade aufzog.

Meinen Vorposter Franky kenne ich auch daher. Die Zeit war auf jeden Fall bemerkenswert. Und Spaß hatten wir alle!

Axel Vetter

 
At 15 März, 2007 20:04, Anonymous Anonym meint...

Auch ich hatte einen Atari ST bei ihm gekauft, in dem nach ein paar Tagen das Floppy-Laufwerk Hitzeprobleme zeigte. Hingebracht, und ein paar Tage spaeter wieder abgeholt, aber dasselbe Problem bestand weiterhin. Ich wieder hin. Nun behauptete AB, ich muesse mich taeuschen und mit dem Computer sei alles in Ordnung. Da habe ich dann in der Gegenwart von anderen Kunden den Lauten gemacht und einen Umtausch verlangt. Hat er dann auch gemacht, allerdings nicht ohne sich hinterher bei mir zu beschweren, dass es ja wohl das letzte sei das so in die Oeffentlichkeit zu tragen und das ich es noch bereuen were, diesen Rechner mit dem schoen leisen Laufwerk gegen ein lauteres zu tauschen. Der Atari ST, den ich dann bekam, laeuft uebrigens immernoch wie am ersten Tag.

 
At 18 März, 2007 06:56, Anonymous Anonym meint...

Ach der bloede Boeckem. Da hab ich auch in the 80ern gearbeitet. Jetzt wollen wir mal ehrlich sein und sagen das der ein Originales Arschloch war. Hat halt in the Olympia-Vergangenheit gelebt, dann ein bischen Glueck mit Atari gehabt, und hat sich dann wohl ausgelebt. Einmal hat eine Bayerin angerufen, und nach einer Minute hat her sie angeschrien und erklaert er "spreche Deutsch oder Englisch. Was sie sprechen verstehe ich nicht." und dan aufgelegt.

Angeschrien hat er mich nie in zwei, drei Jahren, und vernuenftig bezahlt hat er uns ja auch -- aber so wie er mit Kunden und seiner Familie umgang, da wuerde es mich nicht wundern wenn er am Ende allein war.

 
At 23 Juni, 2007 19:33, Anonymous Axel Vetter meint...

Weiß man inzwischen, wie Axel Böckem das Zeitliche segnete? Nachdem sich sogar eine Band bei der Wahl des Namens von ihm inspirieren ließ http://www.bierundhartz4.de/dienacktengolfer/band.html erinnerte ich mich gerade an ihn.

 
At 08 Juli, 2008 13:17, Anonymous Anonym meint...

Das ist ja ein Dingen... Irgendwie musste ich heute an den Böckem denken (fragt mich nicht warum) und habe nach ihm gegoogelt. Und dann finde ich das. Ich hab auch mal Anfang der 90er knapp 2 Jahre für ihn gearbeitet. Das war alles ok, die Bezahlung war fair (12 Mark die Stunde), Samstag morgens gab es immer frische Brötchen zum selber schmieren, er war aber echt komisch manchmal. Ich bin aber nie großartig mit ihm zusammengestoßen, aber auch nie richtig mit ihm warm geworden. Nachdem er den großen Laden im Eilpezentrum nicht mehr halten konnte, zog er ein paar Meter weiter Richtung Dahl in so ein Minihäuschen, so ein Einraumbüro als eigenständiges Haus, so eine bessere "Gartenlaube". Und irgendwann war er da auch weg, jetzt ist da ein Bestatter drin, glaube ich. Ein Bestatter? Oh mein Gott, ob der seinen letzten Deal abgewickelt hat? Auf jeden Fall Schade, er war großkotzig, ließ sich nichts sagen und sagten jedem was er dachte und das oftmals nicht so nett. Aber ich mochte ihn.

Zum Thema Reparaturen: ich habe gesehen, wie die Kollegen repariert oder erweitert haben. Beispiel Sockelung der CPU (war aufgelötet): Mit dem Heißluftfön die Lötstellen der CPU erhitzen, CPU herausnehmen, wieder mit dem Fön drauf und dann das Motherboard ziemlich kräftig auf die Tischkante hauen, dann flog das restliche Lötzinn aus den Lötstellen :-D. Dann den Sockel einlöten und die CPU draufstecken. Mann, das waren Zeiten, da konnte man noch was selber machen ;-).

Rest in peace, Alter!

p.s.: ich schließe mich meinem Vorschreiber von vor einem Jahr an: weiss man wie bzw. woran er gestorben ist?

 
At 06 Mai, 2009 05:42, Anonymous Anonym meint...

Soviel ich weiß, ist er einen plötzlichen Herztod gestorben.
Er tauchte überall dort auf, wo man ihn nicht erwartete, mal sah ich ihn in einer Dönerbude, wo er eifrig über Ausländerfeindlichkeit diskutierte, ein anderes mal stand er mit an vor einem Laden, wo arme Menschen einkaufen konnten.

 
At 07 Mai, 2010 05:30, Anonymous Anonym meint...

Denk ich an Axel muss ich schmunzeln.
Selten so einen aufgeblasenen
Lautsprecher erlebt. Sehr extrovertiert,
aber auch grosszügig und immer für eine
überaschung gut.
Aber auch an wilde lan parties, copy
orgien gute freunde die ihren rausch mal
hinten im buero ausgeschlafen haben und
sa broetchen. War ne lustige zeit. gruesse
@franky, stefan, marcel

holger

RIP Axel

 
At 03 Mai, 2016 01:15, Anonymous Anonym meint...

Habe da auch die ein oder andere Platine auf den Tisch gedonnert, um das Lötzinn weg zu klopfen. Damals, als man den PC noch als schlecht gemeinten Witz verstand. Lieber Arm dran, als Arm ab.

R.I.P.

 

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